St. Pölten. (may) Der Cup hat eigene Gesetze - so lautet eine der bekanntesten Fußball-Weisheiten. Auch in Österreich gilt seit einiger Zeit ein spezielles Cup-Gesetz, das da lautet: Am Ende gewinnt immer die Mannschaft von Gerald Baumgartner. Sage und schreibe 13 Siege in Serie hat der 49-jährige Salzburger Trainer im Pokal eingefahren, im Vorjahr mit Regionalligist Pasching sensationell den Titel geholt, ehe er seit seinem Wechsel zu St. Pölten im September ebenso schon drei Mal siegreich geblieben ist. Bei durchaus namhaften Gegnern gelangen drei Auswärtserfolge: Beim Lask, bei Austria-Bezwinger Kalsdorf und bei Bundesligist SV Ried. Nun steht Baumgartner vor der fast historischen Chance, mit dem Erstligisten aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt in sein zweites Finale hintereinander einzuziehen: Vor heimischem Publikum geht es im Semifinale am Mittwochabend (20.30Uhr/
ORFeins) gegen den Liga-Fünften Sturm Graz.

Zu diesem Zeitpunkt werden beide Teams schon wissen, ob ein Sieg in diesem Spiel auch eine Fahrkarte nach Europa bedeutet. Denn wenn Neo-Meister Salzburg seiner klaren Favoritenrolle im ersten Halbfinale in Horn (18Uhr/live ATV) nur halbwegs gerecht wird und aufsteigt, wird der Sieger in der NV-Arena automatisch mit einem Qualifikationsplatz für die Europa League bedacht.

Eine fast ideale Ausgangsposition also für einen Cup-Spezialisten wie Baumgartner, der im Vorjahr mit Rapid, Salzburg und Austria ganz andere Kaliber eliminiert hat. Dennoch kokettiert der Erfolgstrainer, dem zuletzt ein Wechsel nach Grödig nicht genehmigt wurde, mit der durchaus komfortablen Außenseiter-Rolle des David. "Sturm ist in jeder Position besser besetzt", stellt Baumgartner fest, um gleichzeitig seiner Mannschaft Mut zu injizieren. "Im Cup hat man über 90 Minuten immer eine Chance. Das haben wir bereits bewiesen." Hilfreich könnte auch die Heimstärke der St. Pöltner sein, die bereits seit elf Spielen ungeschlagen sind - und am Mittwoch ist die NV-Arena erstmals mit 8000 Zuschauern ausverkauft. "Mit Herz, Leidenschaft und einem guten Matchplan" will Baumgartner diese Heimserie fortsetzen.

Während es für die Niederösterreicher um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte geht (im Jahr 2000 als Nachfolgeverein des FCN St. Pölten gegründet), geht es für die Grazer um die Rettung einer völlig verkorksten Saison. Trainer Darko Milanic sieht in der Spielweise des Gegners durchaus Vorteile für sein Team: "Für mich ist das im Moment das spielerisch stärkste Team der Ersten Liga. Gegen defensive Mannschaften haben wir immer unsere Probleme", sagt der Slowene. Dass der Druck aufzusteigen, enorm sein wird, ist allen Akteuren bewusst: "Wir wollen unbedingt in den Europacup. Den Druck haben wir immer, dieses Ziel müssen wir erreichen", betonte Stürmer Robert Beric.

Keine Geschenke für Salzburg bei Zweitligist Horn

Im zweiten Duell um das Finale in Klagenfurt am 18. Mai sind die Gegensätze noch viel krasser: Hier der Meister mit seinen Millionären, die als Krönung einer glorreichen Saison das Double holen wollen und auch müssen; dort der Erstliga-Mittelständler aus Horn mit seiner No-Name-Truppe, der in der Waldviertler-Volksbank-Arena zwei Zusatztribünen aufstellen muss, um wenigstens 6000 Fans das vielleicht bedeutendste Spiel der Vereinsgeschichte bieten zu können. Der scheidende Meistertrainer Roger Schmidt ist zwar siegessicher, spricht aber sicherheitshalber ein paar Warnparolen aus: "Wir dürfen nichts dem Zufall überlassen, müssen von der ersten Sekunde an dokumentieren, dass wir das Spiel total ernst nehmen. Wir werden dort nichts geschenkt bekommen."

Auch bei Horn regiert das Prinzip David: "Wir rechnen uns gar nichts aus, sind demütig und froh, unter den letzten vier Mannschaften zu sein", sagt Trainer Willi Schuldes. Nachsatz: "Wir können befreit aufspielen, weil sowieso jeder erwartet, dass wir verlieren."