Benfica-Verteidiger Ezequiel Garay jubelte bereits gegen Juventus. Nun auch gegen Sevilla? - © ap/Franca
Benfica-Verteidiger Ezequiel Garay jubelte bereits gegen Juventus. Nun auch gegen Sevilla? - © ap/Franca

Turin. (rel/apa) Ein Europacup-Finale vor heimischer Kulisse ist ja doch etwas Besonderes. Und fast wäre das der alten Dame Juventus auch gelungen. Nur es wollte halt nicht sein. Weswegen statt der im Halbfinale ausgeschiedenen Italiener am Mittwoch (20.45 Uhr/live ORFeins) zwei iberische Klubs ins Turiner Juventus-Stadion einlaufen werden, um im direkten Duell den Träger der Europa-League-Krone zu ermitteln: der FC Sevilla und Benfica Lissabon.

Einem Sieg sehnen hier vor allem die Portugiesen entgegen, die nach immerhin sieben glücklosen Endspielen in Europacup-Bewerben endlich wieder jubeln und einen Jahrzehnte langen Fluch hinter sich lassen wollen. Seit 1962, dem zweiten Meistercup-Gewinn, hat Benfica keinen internationalen Titel geholt - und daran vermochte auch der legendäre Eusébio nichts zu ändern. Damals hatte Erfolgstrainer Bela Guttmann den Klub im Streit verlassen und den Rot-Weißen prophezeit, sie würden in Europa ohne ihn nichts mehr holen. Der 1981 gestorbene und in Wien begrabene Ungar hat bisher tatsächlich recht behalten. Erst 2013 haben die Adler erneut das Endspiel (diesmal gegen Chelsea) mit 1:2 verloren.

Sevilla gibt sich ehrfürchtig


Doch im Juventus-Stadion, in dem gegen die Gastgeber der Finaleinzug erkämpft wurde, soll nun für den 33-fachen Landesmeister die Durststrecke zu Ende gehen. "Ich bin nicht abergläubisch", meinte Trainer Jorge Jesus, angesprochen auf Guttmann, sondern "ich glaube an Charakter, Qualität und Arbeit. Wir wissen nach dem Finale im Vorjahr nun besser, wie wir mit der Nervosität umgehen."

Dabei haben die Portugiesen ja gar keinen Grund, nervös zu sein. Denn seit Benfica als Umsteiger aus der Champions League in die Europa League gekommen ist, hat die von Kapitän Luisão geführte Abwehr in acht Matches nur vier Treffer kassiert (14:4). Dafür war der FC Sevilla auf dem Weg nach Turin gleich mehrmals auf "Hilfe von oben" angewiesen. So hatten etwa die Andalusier nur deshalb einen Startplatz erhalten, weil die Uefa Málaga und Rayo Vallecano wegen finanzieller Probleme gesperrt hatte. Ab der dritten Qualifikationsrunde kämpfte sich dann das Team von Trainer Unai Emery in nicht weniger als 18 Partien bis ins Endspiel vor. Im Semifinale schien in Valencia die Serie zu reißen, lag doch Sevilla nach dem 2:0-Heimsieg 0:3 zurück, ehe der Kameruner Mbia in den letzten Minuten der Nachspielzeit seine Mannschaft und die Fans mit dem 1:3 erlöste. Den Eindruck, einem Fluch ausgesetzt zu sein, hat Sevilla nicht. Sie haben zuletzt 2006 und 2007 die Europa League gewonnen.

In diesem Punkt hilft Benfica nicht einmal die Statistik. So sind die Portugiesen in der seit 2009 ausgetragenen Europa League die Nummer eins bei Siegen (25) und Toren (68). Im laufenden Bewerb sind sie sogar ungeschlagen, was wiederum bei den Fans große Euphorie ausgelöst hat. Immerhin winkt Benfica nach dem Gewinn der portugiesischen Meisterschaft und des Liga-Pokals nun das Triple. So wenn man nicht an Flüche glaubt. Immerhin haben sich die Hauptstädter mit den spanischen Gegnern nie leicht getan und waren in 14 Matches seit 32 Jahren sieglos. Sevilla-Coach Emery sieht sein Team dennoch als Außenseiter. "Wir kennen Benfica und sein Potenzial. Und wir haben gesehen, wie sie Juventus ausgeschaltet haben." Eigentlich ein gutes Omen. Fluch hin oder her.