Sevilla-Kapitän Ivan Rakiti æ zieht es zu Real. - © reuters/Juan Medina
Sevilla-Kapitän Ivan Rakiti æ zieht es zu Real. - © reuters/Juan Medina

Turin. (art) Vielleicht war es ja wirklich der Europacup-Fluch, der angeblich auf Benfica lastet, seit der legendäre Trainer Béla Guttmann das Team im Jahr 1962 im Streit verlassen hatte, und den sie möglicherweise einmal zu oft beschworen hatten in Lissabon. Vielleicht war es aber auch mangelndes Glück bei den Chancen im Europa-League-Finale gegen den FC Sevilla, dass die Portugiesen seit damals nun schon zum achten Mal ein Endspiel in einem europäischen Bewerb verloren haben, obwohl sie zumindest diesmal feldüberlegen und gefährlicher waren. Vielleicht war es aber auch ganz einfach so, wie Sevilla-Trainer Unai Emery nach dem Match, das seine Mannschaft nach einem 0:0 in der Verlängerung noch mit 4:2 im Elfmeterschießen gewonnen hatte, sagte: "Dieses Team", meinte er also champagner- und konfettigeduscht in den Katakomben des Turiner Juventus-Stadions, des Schauplatzes des Finales, "hat gelernt, wie man sich quält".

Es ist ein Befund, dem man sich durchaus anschließen kann. Denn eine Qual muss es für die Andalusier gewesen sein, als sie mehr oder minder tatenlos zusehen mussten, wie sich Benfica nach einem nervösen Abtasten zu Beginn des Spiels ein Übergewicht erspielte, dem man außer einigen Kontern, die sich als leere Kilometer erwiesen, nicht allzu viel gegenübersetzen konnte. Und eine Qual war dann auch die Nachspielzeit, in der die Kräfte auf beiden Seiten schwanden und man fühlte, dass diesmal wohl nicht der Bessere, sondern der Glücklichere gewinnen würde. Und so war es dann auch im Elfmeterschießen, als der erst in der Schlussphase eingewechselte Óscar Cardozo und Rodrigo an Sevilla-Keeper Beto, ausgerechnet einem Portugiesen, scheiterten, während die Schützen der Spanier alle Bälle versenkten. "Wir haben uns unsere Energie vielleicht besser eingeteilt", meinte Emery. Niemals aufgeben, immer weiterkämpfen, dieses Motto war den Andalusiern nicht nur in diesem Finale, sondern während der gesamten Saison schon ständiger Begleiter.

Triumph statt Übergang


Im Halbfinal-Rückspiel war man nach einem 2:0-Heimsieg über den FC Valencia schon mit 0:3 zurückgelegen, ehe Stéphane M’Bia in der vierten Minute der Nachspielzeit das 1:3 erköpfelt hatte, das aus der Niederlage einen gefühlten Sieg und aus dem FC Sevilla einen Finalisten gemacht hatte. "Die Glücksglatze", nannten sie ihn daraufhin in spanischen Medien, viel braucht es eben nicht zum Heldentum.