Grenzenloser Jubel bei Real (Iker Casillas, Marcelo), Frust bei den tapferen Rojiblancos. - © ap/Daniel Ochoa de Olza
Grenzenloser Jubel bei Real (Iker Casillas, Marcelo), Frust bei den tapferen Rojiblancos. - © ap/Daniel Ochoa de Olza

Lissabon. (art) Die Party begann noch auf dem Rasen und endete irgendwann am nächsten Tag, wer weiß das schon genau. Während die Atlético-Spieler, die den Stadtrivalen von Real Madrid in einem denkwürdigen Champions-League-Endspiel nach 1:0-Führung noch mit 1:4 nach Verlängerung geschlagen geben mussten, auf dem Platz des Lissaboner Estádio da Luz mit den Tränen kämpften, gab’s auf Seiten der Sieger ein Jubeln, Herzen und Busserln, das nicht einmal vor dem spanischen König Juan Carlos Halt machte.

In den Katakomben stürmten die Spieler dann noch die Pressekonferenz, bei der Trainer Ancelotti gerade von einer Nacht "mit etwas Magischem in der Luft" sprach, und duschten ihn mit Champagner, danach ging’s zum Bankett, in den Flieger in die Heimat, ins Bernabéu-Stadion und von dort im offenen Bus zum Plaza de Cibeles, wo zigtausende Fans die Ankunft der Spieler schon innigst erwarteten. Und zumindest für eine Nacht wurde Madrid an diesem Wochenende zur Stadt, die nicht und nicht schlafen wollte.

"Wir sind Helden"


"Wir sind alle Helden", befand Sergio Ramos im Partyrausch, und tatsächlich hatte der Sieg viele Väter: Ramos selbst war es, der Real auch in Phasen, in denen Atlético die Wege der Stars eingeschnürt und diese somit nicht zur Entfaltung hatte kommen lassen, den unermüdlichen Antreiber gegeben hatte und der seine Mannschaft mit einem Treffer in der 93. Minute noch in die Verlängerung geschossen hatte, nachdem Diego Godín in der 36. Minute die Führung Atléticos besorgt hatte. In der Verlängerung war es schließlich ein Zusammenspiel von Ángel di María mit Gareth Bale, das die Vorentscheidung durch das 2:1 brachte. Di María wurde zum Man of the Match gewählt, Bale in der Presse mit Lobeshymnen bedacht. Schließlich war sein Transfer um rund 100 Millionen Euro im Sommer von vielen noch skeptisch beäugt worden, nun erzielte er nach dem Siegtor im Cup gegen Barcelona auch in der Champions League einen entscheidenden Treffer. "Ich wäre auch um einen Penny hierher gekommen, um große Titel zu gewinnen", erklärte er. Dann waren da noch Marcelo und Cristiano Ronaldo (per Elfer), die den Sieg perfekt machten. Für Ronaldo, der auch schon Manchester United 2008 zum Champions-League-Titel geschossen hatte, war es - noch dazu in seiner Heimat Portugal - eine besondere Genugtuung, der er auch ausgiebig Ausdruck verlieh. Für Außenstehende freilich wirkte sein Leiberl-runter-Brust-raus-Torjubel nach dem Elfmeter zum 4:1 gegen einen auf dem Boden liegenden Gegner eher befremdlich, was Ronaldo naturgemäß nicht weiter störte. "Seit ich bei Real bin, habe ich auf diesen Moment gewartet", sagte der 29-Jährige. Und dann gab es noch dem Mann an der Seitenlinie zu huldigen, der für viele einer der wichtigsten innerhalb des vor kurzem noch so fragilen Real-Gefüges war: Carlo Ancelotti hatte aus großartigen Individualisten eine Einheit gemacht, den Stars die Allüren ausgetrieben und wurde mit seinem dritten Champions-League-Titel bedankt. In der Geschichte des Bewerbs war das noch keinem Trainer gelungen, der Einzige, der das im Vorgängerbewerb geschafft hatte, war Bob Paisley 1977, 78 und 81 mit Liverpool.

Neue Ziele braucht Real


Doch während Ancelotti im Hintergrund bleiben wollte, gab Klub-Präsident Florentino Pérez schon die Parole für die Zukunft aus. Nachdem Real das zwölf Jahre lange Warten auf den zehnten Titel im wichtigsten europäischen Bewerb beendet hatte, den Traum von der Décima wahr hatte werden lassen, erklärte er: "Ab sofort denken wir an die Undécima." Während der nächtlichen Fiesta am Cibeles-Brunnen gab es niemanden, der widersprach.