Seefeld. (rel/apa) Es stimmt schon. So jemanden wie Alan Douglas Borges de Carvalho könnte die österreichische Nationalmannschaft gut brauchen. Vorausgesetzt, man lässt ihn. Sechs Monate sind seit dem Aufkommen der Debatte darüber, ob der brasilianische Stürmer von Red Bull Salzburg für das rot-weiß-rote Team nominiert werden könnte, vergangen - und es hat sich seitdem einiges getan. Wie der ÖFB im Rahmen des freundschaftlichen Länderspiels am Freitag in Innsbruck gegen Island (nach Redaktionsschluss) bestätigte, könnte Alan bereits bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich für Österreichs Nationalteam spielen. Gemäß Regulativ des Weltverbands sei er berechtigt, ab Dezember 2015 für den ÖFB zu stürmen, weil er dann fünf Jahre ununterbrochen im Land gelebt habe, hieß es.

Treibende Kraft hinter der Nominierung ist unter anderem ÖFB-Sportdirektor Willibald Ruttensteiner. "Alan hat sein Interesse am österreichischen Team bekundet. In sehr guten, konstruktiven Gesprächen mit dem Spieler und dem Verein konnte die aktuelle Situation nach gültiger Gesetzeslage geklärt werden", sagte er am Freitag. Auch seien mit dem brasilianischen Verband alle Details bezüglich des 24-Jährigen geklärt worden, ergänzte der Manager und verwies auch gleich auf das eigentliche Problem: "Der brasilianische Verband hat uns bestätigt, dass Alan bei keinen offiziellen Bewerbspielen im Einsatz war." Die drei Länderspiele, die der Kicker seinerzeit in der U20 für Brasilien bestritten hat, würden demnach nicht als Fifa-Spiele gewertet.

Während diese Frage gelöst scheint, ist eine zweite Voraussetzung für ein Engagement Alans noch unerfüllt: der Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft. Daran wird laut Ruttensteiner aber "seriös gearbeitet". "Alles dazu Notwendige wird vorbereitet. Wir müssen uns also bis Dezember 2015 gedulden, bis Alan das Trikot des Nationalteams überstreifen darf", sagte er.

Anders sieht es hingegen in den Fällen von Jonatan Soriano und Jonathan Schmid aus. Alans Salzburger Offensivkollege Soriano hat bereits Bewerbspiele für Spaniens U21 absolviert und kann daher für keine andere Nation mehr spielen. Schmid, der Franzose mit österreichischen Wurzeln, steht beim SC Freiburg unter Vertrag, hat zwar noch kein Bewerbspiel für Frankreich absolviert, hat aber bis dato nie in Österreich gewohnt. Für Schmid ist es daher laut ÖFB nicht möglich, in den kommenden Jahren österreichischer Staatsbürger zu werden.

Marcel Koller macht Nominierung von Staatsbürgerschaft abhängig


Für Teamchef Marcel Koller wiederum ist eine mögliche Zukunft von Alan in der Nationalmannschaft noch wie vor kein wichtiges Thema. Zuerst müssten die rechtlichen Bedingungen erfüllt werden. "Das sind hypothetische Fragen. Zuerst muss er Österreicher werden", hatte Koller erst vor wenigen Monaten gegenüber der Presse erklärt. "Wenn er Österreicher ist, klar, dann wäre es eine interessante Möglichkeit." Die Situation sei aber derzeit nicht absehbar, daher beschäftige er sich auch nicht damit, sagte er damals. "Wenn er dann nicht da ist, ist alles eine Luftblase."

Noch ist Alan nicht da. Er selbst zeigte sich in der Vergangenheit nicht abgeneigt, in Zukunft für das ÖFB-Team aufzulaufen. Alan spielt seit 2010 in Österreich und steht bei Salzburg aktuell bis 2018 unter Vertrag.