Wien. Allianz kann für vieles stehen. Nicht unbedingt nur für eine Versicherung. So auch beispielsweise für eine "unheilige Allianz" zwischen einem Fußballklub und einem Konzern, also dem "Kommerz", wie das kapitalismuskritische Fans nennen. Das ist bei den 1860ern in München heute noch so. Ein Name, ein Feindbild.

In Österreich jedenfalls hat die Nachricht, dass die künftige, noch zu bauende Heimstätte des SK Rapid in Hütteldorf nicht mehr nach Gerhard Hanappi, sondern einem deutschen Versicherer benannt werden soll, in den sozialen Netzwerken für etwas Wirbel gesorgt - Fäkalsprache inklusive. Insgesamt war aber bei den Rapid-Fans auf Facebook und Twitter am Freitag Erleichterung spürbar. Grundtenor: Wenn schon der traditionelle Stadionname ersetzt wird ("St. Hanappi wird immer St. Hanappi bleiben"), dann "wenigstens nicht in Allianz Arena". Steht doch das gleichnamige Mega-Stadion in der bayrischen Landeshauptstadt für den Verein Bayern München und damit für "Kommerz". Was auch immer das heißen mag. Unwidersprochen blieb hingegen die Erkenntnis mehrerer Poster, dass es "ohne Sponsor nicht gehen kann". "Name wird wurscht sein, Hauptsache ein neues Stadion kriegen wir", schrieb eine Userin. "Das ist ein Schlag für alle Fans, aber was sein muss, muss sein", ein anderer. Darüber, was bei dem Deal für Rapid herausspringt, herrschte noch Rätselraten. Die Schätzungen in der Community gehen von 15 bis 20 Millionen Euro aus.

Krammer warnt vor Hürden

Ob diese Annahme zutrifft, wollte die grün-weiße Führung am Freitag nicht bestätigen, konkrete Details sollen erst bei einer Mitgliederversammlung am 10. Juni in der Wiener Stadthalle bekanntgegeben werden. Geht es aber nach Rapids Generalmanager Werner Kuhn, könnte der Bau des neuen Ovals anstelle des derzeitigen Hanappi-Stadions schon diesen Sommer beginnen und bis 2016 abgeschlossen sein. Sollten aber die Arbeiten tatsächlich schon so früh beginnen und Rapid deshalb für zwei Saisonen ins Ernst-Happel-Stadion ausweichen, müsste laut Kuhn bis spätestens 26. Juni eine Entscheidung fallen. Begründung: Einen Tag später beginnt nämlich der Abo-Verkauf für die neue Saison, und am 26. Juli empfängt Rapid daheim die SV Josko Ried.

Glaubt man dem Management, dürfen sich die Rapid-Fans auf eine besondere Heimstätte für ihre Mannschaft freuen. "Das Allianz-Stadion wird das modernste Stadion Österreichs mit einem klugen Besucherkonzept und eindrucksvoller Architektur - mit Verbesserungen für die Anrainer", erklärte Kuhn anlässlich der Bekanntgabe der Partnerschaft mit dem Versicherer. Mit dem Neubau beauftragt werden soll das österreichische Bauunternehmen Strabag.

Während Kuhn bereits die ersten Details ausplauderte, war Rapid-Präsident Michael Krammer wiederum darum bemüht, die Euphorie zu dämpfen und führte die Tatsache ins Treffen, dass bis dahin noch einige Hürden zu nehmen seien. "Ziel war und ist es, alle von uns beeinflussbaren und noch offenen bürokratischen Abläufe in den kommenden Wochen zu finalisieren", sagte er am Freitag. Daran, dass es bis zum Testspiel von Rapid gegen Celtic Glasgow am 6. Juli ein Ergebnis geben wird, glaubt Krammer nicht. "Wir wissen, dass wir bis dahin noch keine formelle Baubewilligung haben werden", betonte er. "Aber da bei einem Neubau alle relevanten Widmungen eingehalten werden, sollte dieses Prozedere rasch abgeschlossen werden können."

Gelingt das, dürfte auch die Debatte um die Namensänderung relativ rasch vom Tisch sein. Oder, wie es ein User ausdrückte: "Besser so, als das geile Stadion wird nicht gebaut." Ob’s tatsächlich so "geil" wird, wird sich weisen.