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1:1, 1:1, 0:0, 0:0, 1:0, 1:1. Das sind nicht Testspielergebnisse von Italien oder Griechenland in diesem Jahr, das sind die Ergebnisse der Gruppe F bei der WM 1990. Dabei standen in dieser Gruppe keine Teams, die für bedingungslose Defensive stehen, nämlich England, Irland, die Niederlande und Ägypten.

Wer es sich antut, noch einmal Spiele dieses Turniers anzuschauen, der wird den gegenwärtigen Fußball noch mehr schätzen. Es war oft ein langsames Ballgeschiebe, das von den elendigen Rückpässen zu den Torleuten, die den Ball noch mit der Hand annehmen durften, gekrönt wurde. 2,2 Tore pro Spiel fielen im Schnitt, die niedrigste Quote aller Zeiten. Nun bei dieser WM sind es bisher um die drei Tore pro Match, und in vielen Spielen war, zumindest bisher, Offensive Trumpf.

Dass sich das Spiel verändert hat, liegt an Regeländerungen, die das Verteidigen erschweren, etwa dass gleiche Höhe kein Abseits mehr ist. Doch auch wenn die WM 1990 herausragend öde war, war es keine kontinuierliche Entwicklung, die zu mehr Angriffsgeist führte. Der Wechsel von Defensive und Offensive gleicht mehr einer Wellenbewegung, und gegensätzliche Spieler geben einem gewissen Abschnitt der Fußballhistorie ihr Gesicht.

Zinédine Zidane, dieser Magier der Übersicht, führte Frankreich 1998 zum Titel, der kompromisslose Verteidiger Fabio Cannavaro verkörperte den Defensivstil, der Italien 2006 den WM-Sieg einbrachte.

Die Azzurri konnten besser, was andere Teams auch versuchten. Nämlich abwarten, Ordnung halten, auf den Fehler des Gegners lauern und diesen bestrafen.

Große Turniere setzen Trends, und Italiens Titel ließ Liebhaber des Offensivspiels Schlimmes befürchten. Doch dann kam Spanien, Titel wurden wieder mit Kombinationsfußball und Initiative gewonnen. Auch wenn die Revolution ihre Kinder frisst, der Geist der Spanier lebt weiter.

Freilich ziehen sich Teams noch immer gerne zurück und hoffen auf Fehler des Gegners. Doch angreifen statt abwarten lautet nun bei vielen Teams zumindest in Phasen des Spiels die Devise. Ein Beispiel dafür lieferten bei dieser WM die Kolumbianer. Sie zerlegten die Abwehr der Griechen in den ersten Spielminuten mit einem derart furiosen Kombinationswirbel, dass die Führung fast zwangsläufig fiel (das Match endete 3:0). Der Kombinationsdrang ist aber nicht der einzige Grund für die bisherige Torflut. Viele überragende Könner, die durch Einzelaktionen Spiele entscheiden können, sind in Form (Neymar, Lionel Messi oder Arjen Robben), viele Teams spielen gefährliche Standards. Und zuweilen torkeln manche Verteidiger über das Feld wie Besoffene über einen Kirtag. So wankte die Hintermannschaft der Elfenbeinküste gegen die Griechen derart, dass die hellenischen Defensivkünstler gar nicht anders konnten, als auch einmal zu treffen.

Mit diesem 2:1-Sieg und ihren bisher einzigen beiden Toren sind die Griechen noch im Turnier - sozusagen als Antithese zum gegenwärtigen Trend. Er soll ja auch außerhalb Griechenlands Fans ihres Stils geben. Aber bei allem Respekt für Sokratis Papastathopoulos oder Vassilis Torosidis - schöner wäre es schon, wenn Spieler wie Neymar oder Messi Sinnbild dieser WM blieben.