Belo Horizonte. (art/apa) Als alles vorbei war, winkte Miroslav Klose kurz ins Publikum, applaudierte, ob dem Publikum oder sich selbst, weiß man nicht so genau, und setzte sich zufrieden lächelnd auf die Bank. Schließlich war ja doch noch nicht alles vorbei, rund eine halbe Stunde war noch zu spielen im Estádio Mineirão, doch das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien mit einem Stand von 5:0 gelaufen - und die Arbeit Kloses noch vor dem Endstand von 7:1 erledigt. In der 23. Minute hatte er das 2:0 erzielt, das den Deutschen praktisch die Vorentscheidung für den Finaleinzug gebracht hatte, auch danach eine gute Leistung geboten - wobei ein Match wie dieses, in der der einen Mannschaft einfach alles gelingt, während die andere nur mit Fassungslosigkeit reagiert, kaum zu einer vernünftigen Einzelkritik taugt.

Dass es für das gesamte deutsche Team - wie auch für das brasilianische - ein historischer Abend wurde, bedarf keiner gesonderten Erwähnung, ganz besonders aber war es einer für Klose. Mit seinem insgesamt 16. Treffer bei einer WM-Endrunde, dem zweiten bei diesem Turnier, setzte er sich vor dem längst zurückgetretenen Brasilianer Ronaldo an die Spitze der ewigen Torschützen-Bestenliste. "Hut ab vor Miroslav Klose", schrieb Fifa-Präsident Joseph Blatter auf Twitter, auch Lazio Rom huldigte seinem erfolgreichen Arbeitnehmer mit einem Eintrag in dem Kurznachrichtendienst: "16 Tore bei der WM, der Beste aller Zeiten. Miro Klose ist in der Geschichte. Miro Klose ist die Geschichte."

Und so bescheiden und zurückhaltend Klose auch sonst in der Öffentlichkeit auftritt, so konnte und wollte er doch den Stolz über diese Marke nicht verbergen. "Ich bin ein Stürmer, und Stürmer wollen Tore schießen", sagte er und verhehlte nicht, dass der alleinige Rekord eines seiner Ziele bei dieser WM gewesen sei. Das noch größere freilich ist nun der Titelgewinn, für Deutschland wäre es der vierte, für Klose der erste. "Wir wissen, dass wir noch nicht am Ende sind. Ich habe schon ein Finale gespielt, leider verloren. Das soll kein zweites Mal passieren", sagte Klose, der 2002 beim 0:2 gegen Brasilien auf dem Platz stand.

Bei Turnieren immer da


Dabei war es ursprünglich gar nicht so sicher, dass er diesmal überhaupt an der WM würde teilnehmen können. Im Frühjahr hatte ihn eine Muskelverletzung geplagt, und da Teamchef Joachim Löw sich früh festgelegt hatte, vor allem angesichts der Strapazen auch wegen der klimatischen Verhältnisse nur "zu 100 Prozent" topfitte Spieler mitzunehmen, drängte die Zeit für den 36-Jährigen. Dass Löw bei ihm eine Ausnahme machte, begründete er bei der Nominierung seines Kaders damit, dass Klose jemand sei, der "gerade bei Turnieren schnell eine gute Form erreichen kann" - und er behielt recht. Eisern und diszipliniert wie immer arbeitete der Stürmer daran, rechtzeitig fit zu werden; und nachdem er beim 2:2 gegen Ghana mit seinem ersten Tor in Brasilien noch als Joker gestochen hatte, beorderte Löw ihn ab dem Viertelfinale erstmals in die Startelf. "Ich freue mich für Miro unglaublich, das war eine überragende Leistung", erklärte Löw nun, da es im Halbfinale auch noch mit dem Rekord geklappt hat.