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Hin und her und her und hin wurde der Ball im Semifinale zwischen den Niederländern und den Argentiniern geschoben. Das Spiel war 120 Minuten die große Suche nach der Lücke beim Gegner, die aber nie gefunden wurde. Deshalb sorgte dann nur das Elfmeterschießen für spannende Momente. Dieses war aber auch bald für die Argentinier entschieden.

Das Match war symptomatisch dafür, wie sich der Charakter dieses Turniers seit dem Viertelfinale verändert hat. Nach der wohl offensivsten Vorrunde seit Jahrzehnten, die für Schwärmereien sorgte, nach einer Achtelfinalrunde, die auch noch spannende offene Partien bereithielt (wie die Belgier die USA an die Wand spielten und dann plötzlich noch um ihren Sieg zittern mussten, wie tapfere Algerier die Deutschen ins Wanken brachten, das hatte schon was), scheint der Weltmeisterschaft seit dem Viertelfinale die Offensivluft ausgegangen zu sein.

Gut, es gab dieses 7:1 Deutschlands gegen Brasilien, das schon jetzt in die Fußballhistorie eingegangen ist. Aber dieser kollektive psychische Zusammenbruch der Brasilianer machte diese Begegnung so irre und wahnwitzig, dass sie aus jedem Rahmen fällt. Nicht wenige Tormöglichkeiten gab es dann noch beim 2:1 von Brasilien gegen Kolumbien, allerdings überwogen dann doch die Fouls klar die spielerischen Akzente.

Und sonst? 1:0 (Deutschland-Frankreich), 1:0 (Argentinien-Belgien), 0:0 (Niederlande-Costa Rica), 0:0 (Argentinien-Niederlande). Diese Ergebnisse sind ein beredtes Beispiel für die Rückkehr zur Vorsicht. Bei der Suche nach Gründen stößt man auf einen Satz, der so abgedroschen ist, dass man ihn kaum mehr hören mag, aber der halt auch stimmt: Auf diesem Niveau wird jeder Fehler bestraft. So war Belgien gegen Argentinien schnell in Rückstand geraten, nachdem die Abwehr einmal Gonzalo Higuaín ein wenig aus den Augen verloren hatte, und mühte sich gegen defensive Argentinier dann umsonst, noch eine Wende herbeizuführen.

Damit geht die Suche nach der Lücke mit der Angst vor derselben einher. Auch hier kann des zähe Halbfinale zwischen der Albiceleste und den Oranjes als Beispiel dienen: Beide Mannschaften waren darauf bedacht, ja nicht zu offensiv zu werden, ja nicht zu viele Spieler nach vorne zu schicken, um dem anderen Team nicht zu viele Räume bei einem Gegenstoß zu geben.

Damit fehlt dieser WM in der Endphase des Turniers der große Schlager zwischen zwei offensiven und gleichzeitig ausgeglichenen Mannschaften. Es müssen dabei gar nicht viele Tore fallen. So entwickelte sich etwa das Halbfinale der WM 1998 zwischen den Niederlanden und Brasilien zu einem offenen Schlagabtausch, auch wenn das Ergebnis (1:1, Brasilien siegte schließlich 4:2 im Elferschießen) nicht darauf schließen lässt.

Aber generell gibt es in der Schlussphase von Weltmeisterschaften, wenn es um immer mehr geht, nur sehr selten Matches mit so einem offensiven Charakter. Bei dieser WM könnte noch das Finale zwischen Deutschland und Argentinien so ein Spiel bringen. Aber wahrscheinlich ist das nicht.