Berlin. (art) Die Aufräumarbeiten nach dem großen Finale waren noch nicht einmal richtig abgeschlossen, einige Fans wohl noch immer von Sonntagnacht übrig geblieben, da stieg in Berlin schon die nächste WM-Party. Um Punkt 10.08 Uhr Vormittag setzte die Sondermaschine, die die Weltmeister-Mannschaft von Joachim Löw von Brasilien nach Deutschland brachte, am Flughafen Tegel auf, schon dort warteten hunderte Fans und Kamerateams. Noch mehr waren es dann freilich auf dem Weg in die Stadt, wo hunderttausende Schaulustige für schleppendes Vorankommen des offenen Trucks sorgten, ehe Kapitän Philipp Lahm und Co den Pokal am Brandenburger Tor präsentierten; Rührung, heisere Stimmen und von Sonnenbrillen verdeckte Augen inklusive.

"Ohne euch wären wir nicht hier. Wir sind alle Weltmeister", jubelte Teamchef Löw unter lauten "Jogi"-Sprechchören, auch Verbands-Präsident Wolfgang Niersbach zeigte sich beeindruckt: "Es ist ein Traum. Ich wüsste nicht, was in unserem Land mehr dieses Wir-Gefühl auslösen könnte." In etwas deftigere Worte fasste Bastian Schweinsteiger seine Gefühlslage: "Wir haben uns schon 2006 (WM-Dritter, Anm.) hier gesehen, das war auch schon super. Aber jetzt haben wir das Scheißding hier endlich", schrie er in die Menge.

Während die Feier in Berlin noch lange anhielt, gaben sie es beim unterlegenen Finalisten Argentinien bescheidener. Zwar ehrte Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner die Mannschaft rund um den noch immer traurigen, "aber auch stolzen" Lionel Messi, wie er auf Facebook schrieb, doch auf einen öffentlichen Empfang am Obelisken in Buenos Aires verzichtete man aus Sicherheitsgründen. Nach den Ausschreitungen, die es nach der 0:1-Finalniederlage nach Verlängerung gegeben hatte, habe "niemand unsere Sicherheit, noch die der Leute, die sich dort versammeln", garantieren können, erklärte Angreifer Ezequiel Lavezzi.

Aus Pfiffen gelernt?

Bei allem Jubel über die erfolgreichen und Ärger bei den nicht so erfolgreichen Heimkehrern stellt sich indessen jetzt, da die WM geschlagen ist, die Frage: Was hat der Weltverband Fifa, was haben potenzielle Veranstalter aus dieser WM für die kommenden Großereignisse gelernt? Fifa-Chef Joseph Blatter und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wurden auch bei der Pokalübergabe ausgepfiffen. "Das gehört zu den unangenehmen Dingen des Berufs", hatte Rousseff lapidar gemeint, während Blatter gar nicht wirklich reagiert hatte.