Miami.Genau neun Wochen nach dem 2:1 Brasiliens im WM-Viertelfinale über Kolumbien kommt es am Freitag (20.30 Uhr Ortszeit) in Miami erneut zum Duell. Zwar handelt es sich lediglich um ein Freundschaftsspiel, die Rückkehr von Kolumbiens Stürmer Radamel Falcao, der die WM wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte, sowie ein mögliches Aufeinandertreffen von Juan Zuniga und Neymar verleihen dem Spiel dennoch Brisanz. Im Viertelfinale am 4. Juli hatte sich Neymar, der Star der Seleção, bei einer Knie-Attacke von Zuniga einen Wirbelbruch zugezogen und die WM vorzeitig beenden müssen. Der Schiedsrichter hatte das Foul nicht gesehen. Im Internet schlug Zuniga daraufhin eine Welle der Wut entgegen, die sogar in Morddrohungen gipfelte. Überhaupt war das Spiel mit insgesamt 54 Fouls das härteste im Turnierverlauf. Die Kolumbianer hatten sich ihrerseits über die Spielweise der Brasilianer und deren 31 Fouls beschwert.

Kolumbiens Trainer José Pekerman hat seinen Vertrag inzwischen bis zur WM 2018 verlängert. Am Kader hat Pekerman kaum Umstellungen vorgenommen, einzig die ausgemusterten Altstars Farid Mondragon und Mario Yepes sind nicht mehr mit dabei. Dafür steht Torjäger Falcao im Sun-Life-Stadium von Miami vor seinem Team-Comeback.

In Brasilien hat Carlos Dunga Luiz Felipe Scolari nach der enttäuschenden Heim-WM im Traineramt abgelöst. Der Weltmeister-Kapitän von 1994 hat bereits Konsequenzen nach der 1:7-Niederlage im Semifinale gegen Deutschland gezogen. Diese greifen vielen aber zu kurz. Für das Spiel gegen Kolumbien wurden zehn WM-Teilnehmer nominiert, darunter die Verteidiger David Luiz und Marcelo, die in Brasilien als Hauptschuldige für die historische Demütigung gelten.

Zurück im Team ist der aktuell beim FC Santos engagierte Robinho (30), der den verletzten Hulk ersetzt. Fred, Jô und Torhüter Julio Cesar wurden aus dem Kader gestrichen. Die Einberufungen von Philippe Coutinho (Liverpool), Diego Tardelli (Atlético Mineiro), Ricardo Goulart und Everton Ribeiro (beide Cruzeiro Belo Horizonte) stießen in Brasilien derweil auf Wohlwollen.

Dunga ist in seinem Heimatland trotzdem umstritten. Obwohl die Brasilianer nach der WM einen Neustart forderten, wurde mit Dunga ein Trainer geholt, der bereits von 2006 bis 2010 im Amt war - zu einer Zeit, als der brasilianische Fußball für viele Kritiker stagnierte. Dunga konnte mit der Seleção bei der WM 2010 die hohen Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen. In Südafrika war im Viertelfinale Endstation.