Genf. (may) Von knisternder Spannung, die sonst über den Vergaben von Fußball-Endrunden schwebt, konnte am Freitag in Genf nicht wirklich die Rede sein. Zum einen gab es, anders als sonst, diesmal nicht bloß einen einzigen Sieger unter den Bewerbern, sondern gleich deren 13 - von insgesamt 19 Kandidatenstädten, die sich für die erste pan-europäische Fußball-EM 2020 beworben hatten; zum anderen war die Frage, wo die beiden Semifinale und das Finale ausgetragen werden sollen, im Vorfeld längst zwischen Deutschland und England - den einzigen Anwärtern für dieses Spielpaket - ausgeschnapst worden. Daher war es alles andere als überraschend, dass letztlich das Londoner Wembley Stadion das Rennen machte und dort im Juli 2020 der EM-Titel vergeben wird. So wie zuletzt im Jahr 1996, als sich Deutschland im alten Wembley mit 2:1 in der Verlängerung gegen Tschechien durchsetzen konnte.

Auch das Land des Weltmeisters, das im letzten Moment zugunsten von London verzichtete, gilt als Sieger bei der Vergabe durch die Uefa-Exekutive sowie beim Diplomaten-Poker im Hinterzimmer: Für die nach normalem Modus ausgetragene Endrunde 2024 gilt man nun als absoluter Topfavorit, zumal England dafür nun erstens ausscheidet und zweitens die Deutschen in ihrer Bewerbung unterstützen dürften. Dass die Türkei, die ebenfalls schon ihre Bewerbung für 2024 angekündigt hatte, da mithalten kann, darf bezweifelt werden.

Viertelfinale in Baku


Deutschland ist mit der Münchner Allianz-Arena aber auch Schauplatz von drei Vorrundenbegegnungen und einem Viertelfinale bei der Euro 2020, womit die Fußball-Großmacht am Freitag nicht mit leeren Händen dastand. Bis auf Frankreich, das sich als Gastgeber der Titelkämpfe 2016 gleich gar nicht beworben hatte, wurden alle europäischen Fußballgrößen bedient: Auch das Olympiastadion in Rom sowie die Zenit-Arena in St. Petersburg und - durchaus überraschend - das Olympiastadion in Baku (Aserbaidschan) wurden als Schauplätze für drei Vorrundenspiele und einem Viertelfinale auserkoren. Ein Achtelfinale und drei Gruppenspiele wiederum steigen in Kopenhagen, Bukarest, Amsterdam, Bilbao, Budapest, Brüssel, Dublin und Glasgow. Wiewohl auf die geografische Ausgewogenheit Bedacht genommen werden sollte, dürfen sich damit die Inselkicker als große Sieger der Uefa-Vergabe fühlen: Mit England, Schottland und Irland wurden gleich drei benachbarte Verbände auserkoren (nur Wales scheiterte mit seiner Cardiff-Bewerbung).

Auch für fünf weitere Bewerberstädte endete die Vergabe mit einer Enttäuschung: Sowohl Österreichs EM-Qualifikationsgegner Schweden (mit der Friends-Arena in Stockholm) als auch Jerusalem, Skopje, Minsk und Sofia gingen gänzlich leer aus. Österreich hatte sich mangels einer EM-tauglichen Arena gleich gar nicht angedient - aber auch die Schweiz, 2008 noch Co-Ausrichter mit Österreich, verzichtete auf eine Teilnahme an dieser EM-Premiere. Die übrigens auf eine Idee von Uefa-Boss Michel Platini zurückgeht und zum 60-Jahr-Jubiläum der Fußball-EM einmalig in dieser pan-europäischen Form über die Bühne gehen soll.