Ried/Wien. (may) Der Cup mag zwar eigenen Gesetzen folgen, eine eherne Regel gab es aber im österreichischen Pokal-Bewerb bisher: Die SV Ried spielt stark, leistet sich keine Ausrutscher und kommt im Bewerb recht weit. In den vergangenen acht Jahren schafften es die Innviertler stets zumindest bis ins Viertelfinale. 2011 wurde der Pokal im Ernst-Happel-Stadion sogar in die Höhe gestemmt - der zweite Titel für die Wikinger nach dem Cup-Triumph 1998. Und auch 2012 standen die Rieder im Finale und ergatterten nach der Niederlage gegen Salzburg zum wiederholten Male einen Europacup-Platz. Dieser wäre auch heuer im Frühjahr auf dem Silbertablett gelegen, doch dann passierte das Unerwartete: Vor heimischem Publikum unterlag der Erst- dem Zweitdivisionär St.Pölten - und das verdient - im Viertelfinale mit 1:2, weshalb sich die Niederösterreicher am Ende mit dem PSV Eindhoven in der Europa-League-Qualifikation messen durften.

Die Rieder indes, die sich in den vergangenen Jahren bekanntlich von einem merkwürdig beäugten Dorfverein zu einem konstanten Spitzenklub gewandelt haben, scheinen sich von diesem Cup-Schock noch immer nicht erholt zu haben: Nach einem Viertel der Meisterschaft grüßen die Innviertler unerwarteterweise vom Tabellenende der Liga - und seit Dienstag können sie auch ihre glorreiche Cup-Bilanz einstampfen. Diesmal war Tabellenführer Wolfsberg beim 0:1 in der Keine-Sorgen-Arena zu clever für die Grün-Schwarzen, die nun mit ihren schwachen Leistungen allerdings dafür gesorgt haben, dass sich vor allem Neo-Trainer Oliver Glasner enorme Sorgen um seine Zukunft im Innviertel machen muss. Gelingt nicht bald der Weg aus der Krise, dann wird dem 40-jährigen Rieder Urgestein wohl sein Bonus von mehr als 500 Einsätzen für die Wikinger wenig helfen. Das Gesetz der Trainerablöse bei Erfolgslosigkeit gilt auch in beschaulichen Regionen wie der 11.000-Einwohner-Stadt im Innkreis.

Am Samstag steht das Schlüsselspiel bei Tabellennachbar Wiener Neustadt auf dem Programm: Bei einer weiteren Niederlage würde sich schon eine Kluft zum derzeit noch recht nahen und dicht-gestaffelten Liga-Mittelfeld auftun - also dort, wo Ried eigentlich erwartet wurde und auch hingehört; mit der Perspektive eines Europacup-Platzes, wie es Glasner vor der Saison auch als Ziel angegeben hatte. Immerhin hat sich der 40-Jährige, der zuletzt zwei Jahre in Salzburg Co-Trainer war, gegen Leverkusen (an der Seite von Roger Schmidt) und für Ried entschieden.

Schuld an der Misere ist einerseits ein nicht rasend attraktiver Kader, der nicht imstande ist, das Pressing erfolgreich anzuwenden; andererseits hat sich der Negativlauf so sehr in den Köpfen festgesetzt, dass reihenweise Chancen verjuxt werden. So auch am Dienstag gegen den WAC: Wiewohl spielerisch überlegen, wurde gleich fünf Mal alleine vorm Tor verschossen: "Derzeit schaffen es die Spieler nicht einmal, zumindest eine Chance zu nützen", resümierte Glasner. Und irgendwann passiert dann hinten ein entscheidender Fehler (den Jacobo in Minute 87 ausnutzte). "Es zieht sich bei uns durch, das war auch schon gegen Sturm Graz so."

Salzburg zweistellig

In den Mittwoch-Partien blieben große Überraschungen dann aus. Im einzigen Bundesliga-Duell unterlag die Admira Wiener Neustadt im Elfmeterschießen. In den übrigen Partien setzten sich die Favoriten durch. Rapid musste gegen den SV Wallern zittern, steht aber nach einem 1:0 durch Philipp Prosenik ebenso im Achtelfinale wie die Austria und Altach nach jeweils 5:0-Siegen über Kitzbühel und Hohenems sowie Red Bull Salzburg. Der angeschlagene Meister lieferte beim Wiener Sportklub sogar einen Sieg in zweistelliger Höhe und schoss sich mit einem 12:1 den Frust von der Seele. Nach der frühen 2:0-Führung durch Tore von Marcel Sabitzer und Jonatan Soriano keimte bei den Wienern zwar zwischenzeitlich durch den Anschlusstreffer von Rafael Pollack Hoffnung auf, danach kam die Salzburger Tormaschinerie gegen einen in Auflösungserscheinungen befindlichen Gegner aber ins Laufen. Soriano und Sabitzer trafen je ein zweites Mal, Alan drei Mal, außerdem durften Kevin Kampl, Christoph Leitgeb, Bruno und Nils Quaschner. Den Schlusspunkt setzte Sportklubs Yannick Soura mit einem Eigentor.

Während bei Red Bull damit zumindest bis zur nächsten Bundesliga-Runde am Sonntag gegen Rapid etwas Ruhe einkehren dürfte, wird ein anderer Salzburger Verein in den kommenden Tagen mit Aufarbeitung beschäftigt sein. Am Tag nach dem 0:5 von Austria Salzburg gegen Sturm Graz in Vöcklabruck meldete die Polizei wegen Ausschreitungen mehrere Verletzte sowie Anzeigen.