Bei Spielern wie Vereinsvertretern von Innsbruck herrscht Krisenstimmung. - © Diener/Alex Domanski
Bei Spielern wie Vereinsvertretern von Innsbruck herrscht Krisenstimmung. - © Diener/Alex Domanski

Innsbruck. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer mehr als zweijährigen Talfahrt. Im letzten Spiel der Hinrunde geht es für Bundesliga-Absteiger Wacker Innsbruck am Freitag (18.30 Uhr) gegen Horn in der Ersten Liga darum, die Abstiegsränge zu verlassen. Nach sechs Niederlagen hintereinander und einem 1:4 beim Lask am Montag rutschten die Innsbrucker auf den vorletzten Platz.

Die Stimmung im Tiroler Vorzeigeverein ist angespannt, die Fans hatten schon davor angekündigt, die Mannschaft im restlichen Herbst nicht mehr zu unterstützen. Nun sagte Präsident Josef Gunsch auch noch die Jahreshauptversammlung ab. Aus Sicherheitsgründen, wie Gunsch erklärte. Fans hatten nach der Niederlage beim Lask Vorstandskollegen von Gunsch beschimpft, Spieler sollen bedroht worden sein. Gunsch befürchtete für die Generalversammlung offenbar Ärger, es sei eine "Absage aus Selbstschutz", sagte er.

Dabei hatte der Verein nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Sommer noch ganz andere Pläne. "Wir wollen so schnell wie möglich wieder nach oben", sagte der damalige Trainer Michael Streiter zum Saisonstart. Er musste nach den ersten vier Niederlagen der aktuellen Serie gehen. Es war das Ende seiner zweiten Amtszeit. In der ersten hatte er den Klub nach dem Konkurs des Vorgängervereins FC Tirol aus der Regionalliga in die Erste Liga geführt.

In der Zwischenzeit war Innsbruck schon zweimal in der Bundesliga, dort begann auch die aktuelle Talfahrt. Nach zwei erfolgreichen Jahren in der Bundesliga unter Walter Kogler schlitterte Wacker vor zwei Jahren erstmals ans Tabellenende. Kogler musste gehen, Roland Kirchler schaffte am letzten Spieltag den Klassenerhalt, wurde in der darauffolgenden Saison aber ebenfalls am Tabellenende verabschiedet. Sein Nachfolger Streiter schaffte die Trendwende nicht mehr und sollte in der Ersten Liga eigentlich eine neue Mannschaft aufbauen.

Ein Plus nur beim wirtschaftlichen Ergebnis


Aktuell ist Sportdirektor Florian Klausner Interimstrainer. Bei der Trainersuche, bei der die Namen der Wunschliste einem Who-is-who mit Innsbruck-Vergangenheit entsprechen, hat der Verein keine Eile. Klausner soll in seiner Funktion als Sportdirektor einen Nachfolger für sich selbst finden. Er hat als einziger Verantwortlicher die gesamte Talfahrt mitgemacht.

Präsident Gunsch ist selbst erst gut ein Jahr im Amt, er wurde im August 2013 gewählt. Sein Motto "Wirtschaftlichkeit geht vor sportlichem Erfolg" wurde bisher mit fragwürdiger Konsequenz umgesetzt. In der Generalversammlung sollte es eigentlich auch um den wirtschaftlichen Zustand des Vereins gehen, sie soll nun im Jänner stattfinden. Laut "Tiroler Tageszeitung" wurde vergangene Saison immerhin ein Plus von 460.000 Euro erwirtschaftet. Auf der sportlichen Seite soll Klausner nun in den drei Spielen bis zur Winterpause die Lage stabilisieren. Er war schon unter Kogler und Kirchler Co-Trainer, vor knapp einem Jahr wurde er dann zum Sportdirektor befördert. Mit seinen Transfers bewies er kein glückliches Händchen, eine der Hauptforderungen der Fans ist sein Abschied.

Dieser Wunsch wird sich nur auf der Trainerbank erfüllen. Egal wie Klausners Nachfolger dort heißen wird, der sofortige Wiederaufstieg wird kein realistisches Ziel mehr sein. Der Rückstand auf Tabellenführer Lask beträgt bereits 18 Punkte. Das ist laut Gunsch kein Beinbruch: "Wir müssen nicht schon diese Saison Meister werden", sagt er. Erstes Ziel ist nun der Klassenerhalt, wie schon eine Stufe höher in den vergangenen zwei Saisonen.