Bogotá. Vor ein paar Monaten spülte der berühmteste Sohn des Klubs noch einmal eine gute Million in die Kassen des Envigado FC. Im Rahmen des Wechsels von Kolumbiens Jungstar James Rodríguez vom AS Monaco zu Real Madrid fiel von der Ablösesumme in Höhe von 80 Millionen Euro auch ein hübsches Sümmchen Ausbildungsentschädigung für den Klub aus dem Großraum Medellín ab. Wo das Geld geblieben ist, fragt sich die überschaubare Zahl von Anhängern des Vorortklubs zwar schon seit einigen Monaten, doch nun trifft den Klub eine ganz andere Schlagzeile, die ihn in seiner Existenz bedrohen könnte.

Wie kolumbianische Medien aufgeregt berichten, taucht der Klub, den der angehende Weltstar im Teenageralter zum Aufstieg in die erste kolumbianische Liga führte, auf der sogenannten "Liste Clinton" auf. Es ist eine Art schwarze Liste der US-amerikanischen Drogenfahndung, die dort das "Who is Who" der lateinamerikanischen Kartelle aufführt. Dort zu finden sind Rechtsanwälte, Firmen, Einzelpersonen und eben Fußball-Klubs, die nach Erkenntnissen der US-Drogenfahnder dazu dienen, aktive Geldwäsche zu betreiben.

Alle Geschäfte sind untersagt

Die Konsequenzen, die ein Eintrag in der nach dem Ex-Präsidenten Bill Clinton benannten Liste hat, sind gravierend: Jede Art von Geschäftsbeziehung mit den dort aufgeführten Personen oder Körperschaften ist strengstens untersagt. Zuwiderhandlungen werden auf US-Boden drastisch bestraft. Jedes Unternehmen, jede Einzelperson, die ab sofort Geschäfte mit dem FC Envigado unterhalten, tauchen ihrerseits auf der Liste Clinton auf. Was das konkret bedeutet, hat einer der populärsten Klubs Kolumbiens schon erfahren: América de Cali, einst dem gefürchteten Cali-Kartell nahestehend, stand ebenfalls jahrelang auf jener schwarzen Liste. Das führte zum Niedergang eines der erfolgreichsten Vereinsteams Lateinamerikas, welches mittlerweile nur noch zweitklassig kickt. Sponsoren blieben weg, lukrative Transfers wie der Verkauf des heutigen Dortmund-Stürmers Adrián Ramos im Jahr 2009 von Cali zu Hertha BSC Berlin waren nur durch Einzahlungen auf ein Treuhandkonto des kolumbianischen Verbandes möglich. Nicht einmal eigene Kreditkarten oder Konten durfte América de Cali besitzen.

Juan Pablo Upeguí, Eigentümer des FC Envigado, gab sich völlig überrascht: "Wir wussten von absolut nichts. Wir haben das aus den Nachrichten erfahren", erklärte ein zumindest öffentlich konsternierter Klubchef. Hintergrund der drakonischen Strafmaßnahme ist offenbar ein zu enges Verhältnis der Klubeigentümer zum sogenannten "Büro von Envigado", einem gefürchteten Kartell von Drogenhändlern und Auftragsmördern, das in Medellín sein Unwesen treibt. Upeguí will von alledem nichts wissen: "Wir waren immer offen für jede Art von Untersuchungen", klagt er. Sport- und Ligaverband hätten jederzeit Zugang zu allen Unterlagen gehabt. Auch mit den USA habe es nie Probleme gegeben.

Das US-amerikanische Finanzministerium und seine Drogenexperten sehen das allerdings anders. Upeguí und seine Mutter Margarita Urrego seien Schlüsselfiguren des Kartells "Büro von Envigado", heißt es in einem Schreiben der Behörde. Sie hätten den Klub benutzt, um systematisch Geld zu waschen. Der Klub zähle zu einem Geflecht von Firmen, in das die Drogengelder gepumpt und anschließend sozusagen klinisch gereinigt wieder herausholten. Dazu zählten ein Schönheitssalon, eine Eventfirma, ein Spa und eben der FC Envigado.

Escobar baute das Stadion

In der Abschlusstabelle der laufenden Saison reichte es für den Envigado Fútbol Club S.A, wie der Verein mit vollem Namen heißt, nur zu Platz 14. In der Vergangenheit hatte der Klub sogar schon einmal die Qualifikation für die Copa Sudamericana 2012 geschafft, vergleichbar mit der Uefa-Europa-League. Ein allzu tiefer Blick in die Historie des Klubs gerät allerdings nicht zum Vorteil: Bauherr des ehemaligen Stadions des Klubs ist der berühmteste und legendärste aller kolumbianischen Drogenbarone: Pablo Escobar, der vor gut 20Jahren nach einer jahrelangen blutigen Regentschaft in Medellín bei einer Polizeiaktion erschossen wurde.