Stuttgart. (may) Hubertus Jozef Margaretha - kurz "Huub" - Stevens ist in seinem Trainerleben schon viel herumgekommen: ElfStationen hat der 60-jährige Niederländer seit Beginn seiner Laufbahn anno 1993 schon durchlaufen - in seiner Heimat, in Deutschland, Griechenland und bekanntlich auch in Österreich. Mit Red Bull Salzburg errang der ob seiner bisweilen strengen Art der "Knurrer von Kerkrade" genannte Stevens im Jahr 2010 seinen bisher einzigen nationalen Meistertitel. Ein weiterer wird so schnell nicht folgen, denn ab sofort ist Stevens wieder in den niederen Tabellenregionen zu Hause: Am Dienstag wurde er vom deutschen Bundesliga-Schlusslicht VfB Stuttgart als Nachfolger von Armin Veh, der sich mit dem schwäbischen Traditionsverein überfordert sah, präsentiert. Stevens soll den fünffachen deutschen Meister vor dem erstmaligen Abstieg seit 1976 bewahren. Also genau das, was er erst im Sommer vollbracht hat.

Auch damals spielte der Niederländer im Schwabenland die Krisenfeuerwehr. Als Stevens Anfang März den Klub der ÖFB-Teamspieler Martin Harnik und Florian Klein übernahm, lag dieser auf Platz 15 mit nur 20Punkten. In den darauffolgenden zehn Spielen unter Stevens wurde dann zwar der Abstieg verhindert, eine Steigerung sieht allerdings anders aus: Mit zwölf weiteren Punkten konnte mit Ach und Krach der 15.Platz und damit die Klasse gehalten werden - in Summe aber viel zu wenig für einen Klub mit derart viel Potenzial und einer derart ausgeprägten Fankultur. Im Schnitt sahen in der vergangenen Saison 50.498 Zuschauer die Heimspiele in der Mercedes-Benz-Arena, das ist der siebtbeste Wert der Bundesliga.

Trotz des erreichten Ziels wollte Stevens nicht bei den Schwaben bleiben. Aus "persönlichen Gründen" verkündete er seinen Abschied - sehr zum Leidwesen vieler Fans, bei denen der 60-Jährige als Kultfigur gilt. Doch nun gibt er sein Comeback beim Schlusslicht, das mit neun Punkten aus zwölf Spielen drei Zähler vom rettenden 15. Platz entfernt liegt. Stevens unterschrieb einen Vertrag bis Saisonende, danach werde man sich laut VfB-Präsident Bernd Wahler unterhalten, wie es weitergehe. "Ich denke, dass es schwieriger wird als letztes Jahr", sagte Stevens zur Ausgangslage. Sein Urlaub nach der Rettungsmission sei nötig gewesen, nun freue er sich auf die Herausforderung: "Es kribbelt wieder, ich bin bereit."

In Schalke zum Kulttrainer

Seinen Ruf als Erfolgscoach und Kulttrainer verdankt er vor allem seiner ersten Zeit bei Schalke04, wo er von 1996 bis 2002 nicht nur eine große Mannschaft aufbauen, sondern auch prestigeträchtige Titelgewinne feiern konnte. Mit den Königsblauen holte er 1997 gegen Inter Mailand sensationell den Uefa-Cup, 2001 und 2002 führte er die Schalker zum DFB-Pokalsieg. Und beinahe hätte er das Wunder vollbracht, mit der Mannschaft um Ebbe Sand, Emile Mpenza und Andreas Möller den Meistertitel einzufahren. Am legendären letzten Spieltag im Mai 2001 fehlten den Knappen und Stevens nur wenige Sekunden auf die Meisterschale, die sich dann doch wieder die Bayern sicherten. Diese Enttäuschung markierte auch den Anfang vom Ende der glorreichen Schalke-Zeit von Stevens, die schließlich im Herbst 2002 endete. Und an die der Niederländer seither nicht mehr anschließen konnte: Bei Hertha im Jahr darauf entlassen, tingelte er wenig erfolgreich zwischen seiner Heimat (Roda Kerkrade/PSV Eindhoven) und Deutschland (1. FC Köln/HSV) hin und her, ehe er von 2009 bis 2011 in Salzburg landete. Wo man sich, auf dem enttäuschend dritten Rang liegend, von ihm trennte. Genauso erging es ihm später bei seiner alten Liebe Schalke, die 2012 nach einer Niederlagenserie abrupt endete. Auch das Gastspiel bei Paok Saloniki endete für ihn unehrenhaft. In Stuttgart soll nun das Glück zurückkehren.