Bata/Wien. (rel) Während die Augen vieler europäischer und nordamerikanischer Sportbegeisterter am späten Sonntagabend auf Beaver Creek und die Goldfahrt von Marcel Hirscher in der Kombination gerichtet waren, hat sich tausende Kilometer entfernt, im Fußballstadion der Küstenstadt Bata in Äquatorialguinea, ein sportliches Drama der Sonderklasse abgespielt. Nach 120 torlosen Minuten setzte sich die Elfenbeinküste im Afrika-Cup-Finale gegen Ghana in einem packenden Elfmeterkrimi mit 9:8 durch und durfte sich zum zweiten Mal in ihrer Geschichte über den Kontinentaltitel freuen. Zweimal - 2006 gegen Ägypten und 2012 gegen Sambia - war man bereits im Cup-Finale gescheitert. Zum Helden des Siegerteams wurde diesmal der ivorische Torhüter Boubacar Barry, der erst den Penalty von Ghanas Keeper Brimah Razak parierte und anschließend selbst verwandelte.

Erneut das Nachsehen hatte in Bata Ghana, das bereits 1992 das Finalspiel gegen die Ivorer verloren hatte und weiter auf den ersten Afrika-Cup-Sieg seit 33 Jahren warten muss. Der letzte Triumph gelang den Black Stars im Jahr 1982 gegen Libyen, erst 2010 hatte man im Finale gegen Angola verloren.

Double für Coach Renard


Das Finalspiel selbst war wiederum nicht von spektakulären Aktionen dominiert gewesen. In einer taktisch geprägten ersten Halbzeit investierten die Ghanaer vor den Augen von Fifa-Präsident Joseph Blatter und Fußball-Ikone Pelé mehr, ohne aber zu zwingenden Torchancen zu kommen. Ein Distanzschuss von Ghanas Christian Atsu in der 26. Minute prallte an die Latte, André Ayew traf aus spitzem Winkel den Außenpfosten (36. Minute).

Mäßig war das Niveau auch in der zweiten Halbzeit. Die Kicker der Elfenbeinküste traten erst in der Schlussphase wieder stärker auf, allerdings bot sich auch hier dem Team kaum eine gute Torgelegenheit. Die Mannschaften, die beide bei der WM 2014 jeweils in der Gruppenphase gescheitert waren, waren offensichtlich bemüht, den möglicherweise entscheidenden Fehler zu vermeiden. Auch in der Verlängerung änderte sich daran nichts. Das Elfmeterschießen war die logische Folge.

Statistisch gesehen lag die Elfenbeinküste im Vorteil, war es doch in allen Endspielen, die das Land je im Afrika-Cup bestritten hatte, nach 120 Minuten 0:0 gestanden. Zweimal gingen die Ivorer bisher als Sieger vom Platz. Für ihren Trainer Herve Renard ist es bereits der zweite Afrikatitel seiner Karriere, 2012 hatte der Franzose schon Sambia zum Triumph geführt. Im Gegensatz dazu war es für Ghana-Coach Avram Grant die zweite große Niederlage in einem größeren Finale. Erst vor wenigen Jahren, 2008, hatte er als Chelsea-Trainer das Champions-League-Finale gegen Manchester United verloren. Dass der Titel für den besten Spieler der Partie an einen Ghanaer (Atsu) ging, war für ihn und seine Black Stars nur ein schwacher Trost. Während die Ivorer jubelnd ihre Runden zogen, blieb etwa Ayew mit verweintem Gesicht auf dem Rasen zurück.

Das Finale jedenfalls bildete den Schlusspunkt zu einem Turnier mit Hindernissen. Nachdem Marokko, das eigentlich den Cup hätte austragen sollen, die Gastgeberrolle wegen der Ebola-Epidemie abgegeben hatte, war Äquatorialguinea als Ersatz eingesprungen und - begleitet von diskutablen Schiedsrichterentscheidungen - sogar bis ins Halbfinale vorgedrungen. Als dort die Niederlage gegen Ghana (0:3) besiegelt war, kam es im Stadion zu heftigen Zuschauertumulten. Marokko wiederum wurde für sein Ausscheiden vom Kontinentalverband finanziell haftbar gemacht und bis 2019 gesperrt. Der nächste Afrika-Cup sollte 2017 in Libyen stattfinden. Wegen des Bürgerkriegs wird erneut nach Ersatz gesucht.