Leverkusen. (rel) "Wir sind eindeutig der Underdog." Das Selbstvertrauen, mit dem Bayer Leverkusen am Mittwochabend daheim in das Champions-League-Achtelfinalhinspiel gegen Atlético Madrid gegangen war, war nicht unbedingt groß gewesen. "Ganz schön stark", nannte etwa Bayer-Trainer Roger Schmidt die Elf von Diego Simeone, versprach aber trotz allem, "alles rauszuhauen, was wir haben". Und dazu hatten die Leverkusener am Mittwoch auch allen Grund, wollten sie nicht wieder im Achtelfinale scheitern und die Negativserie, in die man zuletzt auch in der Bundesliga geraten war, fortzusetzen. Einem einzigen Sieg im neuen Jahr stehen viele (unnötig) kassierte Tore gegenüber - und das vor allem in der Spielendphase. Allein die Spanier wollten von einem Außenseiter Bayer Leverkusen nichts wissen. "Die Chancen sind gleich verteilt", hatte Simeone noch vor Anpfiff mit ernster Miene gemeint. "Fünfzig zu fünfzig."

Und Simeone sollte Recht behalten. Nicht nur war das Kräfteverhältnis zwischen dem selbsternannten Underdog und dem spanischen Topklub mehr als ausgeglichen, auch verstanden es die Deutschen, "alles rauszuhauen", so wie es Schmidt gefordert hatte.

Leverkusen hatte einfach keine Lust, sich von den Spaniern vorführen zu lassen. Tief zu stapeln kann eben auch Teil einer Strategie sein. Und die schien Bayer in den ersten Minuten exzellent umzusetzen. Erst ließ Lars Bender einen Warnschuss auf den Kasten von Miguel Ángel Moyà los (5. Minute) los, dann war es Emir Spahic, der einen Eckball auf das Tor der Gäste lenken konnte. Atlético konnte von Glück reden, dass Superstar Mario Mandžukić richtig stand und gerade noch auf der Linie klären konnte (13.). Weitere Chancen sollten folgen: Während noch ein vielversprechender Konter (22.) ins Leere lief, sorgte Spahic mit einem Lattenkracher (25.) für Hochgefühle bei Schmidt, der sich zeitweise - Fouls passieren - böse Worte von Simeone anhören musste. Aber der spanische Trainer musste zugeben: Nicht Atlético machte hier das Spiel, sondern Leverkusen.

So konnte das jedenfalls nicht weitergehen. Es mussten aber 40 Minuten vergehen, bis auch Mandžukić und Co. begriffen, dass ohne Offensivfußball keine Tore fallen würden. Die Rolle des Wachrüttlers übernahm Maurcie Griezmann. Erst musste sich Bayer-Torhüter Bernd Leno zwischen eine Flanke, die für den Kopf des Franzosen gedacht war, werfen (40.), dann einen nahezu unhaltbaren Schuss von Thiago aus nächster Nähe von der Linie kratzen (45.). Eine absolute Glanztat des 21-jährigen Keepers.

Spätestens mit Start der zweiten Hälfte war es nun endlich Zeit für Tore. Und für den Auftritt von Hakan Çalhanoglu. Exzellent bedient - per Ferse - von Karim Bellarabi gelang es dem Deutsch-Türken, das Leder aus spitzem Winkel in Moyàs Kasten zu hämmern. Was für ein herrlicher Treffer. 57. Minute. Ab da ging es zwischen beiden 16ern hin und her. Die Spanier pochten aggressiv auf den Ausgleich, aber Pech für Atlético-Mann Fernando Torres: Weil der Ball bereits die Outlinie passiert hatte, wurde sein Abstauber per Kopf (75.) nicht gewertet. Die Unterschrift unter die Niederlage setzte ein anderer - Thiago. Mit seinem Platzverweis nach Gelb-Rot (76.) war das Los der Spanier besiegelt, die nun im Rückspiel ohne Auswärtstor antreten müssen. Leverkusen gewinnt 1:0. Und das verdient.

Grund zur Freude hatte an diesem Abend der auch Monaco im Parallelachtelfinale gegen Arsenal. Die Gäste siegten mit 3:1.