David Alaba, Um und Auf des Nationalteams, musste leicht angeschlagen zur Pause hinaus. - © Reuters/ Föger
David Alaba, Um und Auf des Nationalteams, musste leicht angeschlagen zur Pause hinaus. - © Reuters/ Föger

Wien. Ein bisserl träumen ist im Fußball erlaubt. Es muss ja nicht gleich vom Europameistertitel sein, doch von der Qualifikation zur EM, der erstmaligen in der heimischen Fußball-Geschichte, darf Österreich als ungeschlagener Gruppenerster schon träumen. Fünf Partien stehen noch aus, das könnte also diesmal wirklich etwas werden. Aber im Träumen steckt auch Gefährliches, wovon wiederum die Bosnier den Österreichern eine recht aktuelle Geschichte erzählen können.

Bosnien-Herzegowina, am Dienstag Testspielgegner des ÖFB im ausverkauften Happel-Stadion, war im Sommer bei der Weltmeisterschaft dabei, erstmals zwar, doch dank einiger erlesener Kicker in ihren Reihen meinten einige Beobachter, die viel auf ihre eigene Meinung halten, dass in diesem Team vielleicht sogar die große Überraschung dieser WM steckt. Und schon war Bosnien das Dark Horse der Endrunde, also jene Mannschaft, der ein Viertel- vielleicht gar das Halbfinale zugetraut wurde. Und wenn es so gekommen wäre, hätten die wissenden Beobachter natürlich darauf verwiesen, es "ja schon vorher gesagt zu haben".

Doch wie gesagt: Dem Träumen wohnt Gefährliches inne. Bosnien scheiterte in der Vorrunde, sang- und klanglos, und seither eilt das nur an wenigen Positionen veränderte Team von Enttäuschung zu Enttäuschung. Bei nur einem Sieg aus fünf Partien, und der war in Andorra, haben sich die Bosnier fast schon um ihre Chance auf die Qualifikation gebracht.

Das Testspiel in Wien war für sie daher eine Gelegenheit, aus dem Albtraum der vergangenen Monate zu erwachen, Österreichs Kicker gieren dagegen in einem Akt der Vergangenheitsbewältigung nach Siegen, auch Freundschaftsspiele werden mit einer Konzentration und Gewissenhaftigkeit angegangen, die für gelernte Österreicher fast schon verstörend ist.

Teamchef Marcel Koller, der kühne Experimente kategorisch ablehnt, probierte für seine Verhältnisse viel aus und änderte seine Grundformation an vier Positionen. Ramazan Özcan gab den Goalie, Kevin Wimmer, derzeit bei Köln und ab Sommer bei Tottenham, bildete mit dem unverzichtbar gewordenen Aleksandar Dragovic die Innenverteidigung, dazu kamen Marcel Sabitzer und Markus Suttner neu hinzu.

Offensive weitgehend
zu harmlos


Dass sich trotz der Wechsel am Spiel der Österreicher wenig änderte, vielleicht Suttner im Vergleich zu Teamkapitän Christian Fuchs ein wenig abfiel, ist eine der guten Nachrichten dieses Spiels. Die ÖFB-Equipe verströmte gegen den WM-Teilnehmer Dominanz und Ruhe, was oft einfach aussehen mag, aber für die Nationalmannschaft keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht war, das gilt es noch abzuwarten. Das Selbstverständnis, eine richtig gute Mannschaft zu sein, war jedenfalls spür- und sichtbar.

Diesmal aber fehlte das Freche, auch das forsche, frühe Attackieren, Österreichs Offensive gebar diesmal wenig, die erste Chance war auch schon das 1:0 in der 34. Minute durch einen Spitz von Marc Janko, der im Angriff nach wie vor alternativlos ist. Das war es aber auch schon, sieht man von zwei erfolglosen Freistößen ab, doch auch die Bosnier hatten wenig anzubieten. Sie verteidigten, mehr war nicht.

Die zweite Hälfte begann quasi mit dem Ausgleich durch einen abgefälschten Schuss von Izet Hajrovic von Werder Bremen, Özcan war machtlos und die gut 15.000, vielleicht sogar 20.000 bosnischen Fans aus dem Häuschen. David Alaba war zur Pause in der Kabine geblieben, weitere Wechsel folgten bald und mit ihnen schwand auch die spielerische Dominanz der Österreicher. Marco Djuricin ist (noch) kein Janko, Lukas Hinterseer kein Junuzovic, Ilsanker kein Alaba. Eh.

Vor zwei Jahren hätte Koller bestimmt weniger und später durchgetauscht, da war selbst bei Testspielen ein Sieg wichtig, um Selbstvertrauen zu tanken. Das ist jetzt anders, die Mannschaft ist gefestigt genug, um eine dürftige Hälfte zu verkraften. Zumal ein Remis auch okay ist.

U19 qualifizierte sich
für die EM


Wichtig sind Ergebnisse nur in der Qualifikation. Und da könnte beim nächsten Spiel am 14. Juni in Russland bereits eine Vorentscheidung fallen. Sollte Österreich in Moskau gewinnen, wäre mit Heimsiegen gegen Moldawien und Liechtenstein zumindest der zweite Platz fix und damit auch die direkte Qualifikation für die EM in Frankreich 2016 geschafft.

Die U19 Österreichs hat sich bereits am Dienstag durch einen Sieg gegen Italien für die EM qualifiziert, als eines von nur acht Teams. Es ist die übernächste Generation, auch sie darf träumen. Zumindest ein bisschen.