Pasching/Mattersburg. (art) Mattersburg ist ein beschaulicher Ort am Fuße des burgenländischen Rosaliengebirges, der hiesige Fußballverein einer, der mit Bankier und Obmann Martin Pucher als Patron seit Jahrzehnten als eine Art Familienbetrieb geführt wird und der das Etikett "Dorfklub" nicht als Beleidigung versteht. Selbst damals nicht, als Woche für Woche rund zehntausend Menschen und damit mehr, als Mattersburg Einwohner hat, das Stadion bevölkerten und die ihm namensgebenden Pappeln zum Wackeln brachten - was somit zum Slogan des Klubs wurde.

Doch vor knapp zwei Jahren kehrte auch dort wieder Ruhe ein; und noch vor einem Jahr schien das Einzige, das wackelte, der Trainersessel von Ivica Vastic zu sein. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Sommer 2013 und einem Kurzgastspiel von Alfred Tatar vermochte zunächst auch Vastic den Negativtrend nicht zu stoppen; bis zur letzten Runde der vergangenen Saison musste man um den Klassenerhalt in der Erste Liga zittern. Doch das Unterfangen gelang, Vastic durfte bleiben - und nun steht man unmittelbar vor dem Wiederaufstieg in die tipico-Bundesliga.

Schon am Freitag (20.30 Uhr) kann dieser mit einem Auswärtssieg gegen den Lask vorzeitig fixiert werden. Theoretisch steht er ohnehin schon fest, denn dass der Lask Mattersburg bei aktuell zehn Punkten Rückstand in den verbleibenden Runden noch abfangen kann, glauben nicht einmal mehr die kühnsten Linzer Optimisten. Mattersburg will freilich mehr, schließlich will man als Meister ins Oberhaus zurückkehren und nicht als Vize der wegen ihrer Red-Bull-Verbindungen nicht aufstiegsberechtigten Lieferinger, die derzeit noch einen Punkt vorne sind.

Offensives Prunkstück


Allzu viel darüber will Vastic indessen noch nicht sprechen, sein Fokus ist auf das Spiel gegen den Lask, bei dem er einst seine aktive Karriere beendet hat, gerichtet. "Wir wollen den Trend der letzten Spiele fortsetzen und mit gewohnter Ballsicherheit unser Spiel nach vorne forcieren", erklärt er. In der Kabine ist der Aufstieg, möglichst schon im Spiel am Freitag im Paschinger Waldstadion, in das der Lask ausweichen muss, freilich ein Thema: "Alle arbeiten das ganze Jahr dafür, dass du solch ein Spiel erleben darfst, in dem du ein von dir gestecktes Ziel erreichen kannst", sagt Verteidiger Michael Novak, der gegen den Lask nach einer Gelbsperre in die Mannschaft zurückkehren dürfte. "Natürlich wollen wir so schnell wie möglich den Aufstieg fixieren, uns ist allen bewusst, dass das am Freitag passieren kann", meint auch sein Kärntner Landsmann Markus Pink. Der Stürmer, im Herbst 2013 nach Mattersburg gekommen, aber in dieser Saison erstmals bei voller Fitness, ist einer der Mosaiksteine der Burgenländer für den Erfolg. Mit 16 Treffern führt er die Torschützenliste der Erste Liga ex aequo mit seinem Sturmpartner Karim Onisiwo an; der Mattersburger Angriff ist - nach jenem Lieferings, aber mit weitem Abstand auf jenen der übrigen Konkurrenten - der effektivste der Liga. Der 23-jährige Onisiwo wiederum war im vergangenen Sommer eine jener punktuellen Verstärkungen, von denen man so gerne spricht, wenn man nicht in einer Panikaktion oder Großmannssucht gleich den kompletten Kader austauscht; er kam ablösefrei von Austria Salzburg, auch die anderen Neuzugänge Michael Perlak sowie Alejandro Velasco Fariñas trugen das Ihre zum Erfolg bei.

Daneben vertraut Vastic, der selbst seine Chance nach einem verpatzten Engagement bei der Austria nützte und nun auch jenes Offensivspiel aufziehen lässt, dessen Mangel man ihm in Wien vorgeworfen hatte, auf Akteure, die dem Verein noch aus der Bundesliga treu geblieben sind, sowie Spieler, die sich aus dem eigenen Unterbau mit den Amateuren und der Akademie nach oben gearbeitet haben. Nach anfänglichen Turbulenzen im Vorjahr scheint die Balance nun wieder gefunden zu sein. Nur mit der Ruhe dürfte es im Mattersburger Pappelstadion bald wieder vorbei sein.