• vom 13.07.2015, 12:38 Uhr

Fußball

Update: 14.07.2015, 11:32 Uhr

Fußball

"Der Blick hinter den Flutlichtmasten"




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Von David Eder und Alexander Belinger

  • Wolfgang Stockinger ist Leiter der Laufbahnberatung bei "Kada" (Karriere Danach). Im Camp der vertragslosen Fußballer hilft er den Spielern bei der Suche nach Perspektiven und einem Plan B.

"Wiener Zeitung": Herr Stockinger, worin liegt Ihre Aufgabe mit Kada?

     Wolfgang Stockinger: Wir unterstützen Hochleistungssportler dabei, sich ein zweites Standbein neben dem Sport aufzubauen beziehungsweise den Sport mit einer Ausbildung oder einem Beruf vereinbaren zu können. Wir arbeiten nicht nur mit Fußballern, sondern mit allen 61 BSO (Bundes-Sportorganisation)-Sportarten zusammen. Fußball ist quantitativ jedoch eine der größten Sportarten – von den 470 Sportlern, die wir österreichweit betreuen, sind 120 Fußballer.


Welche Besonderheiten gibt es in der Arbeit beim Camp der vertragslosen Fußballer?
Das Konzept des Camps verbindet professionelles Fußballtraining und professionelle Laufbahnberatung. Ziel ist einerseits die unmittelbare Beibehaltung der Arbeitsplatzfähigkeit im sportlichen Bereich und andererseits eine langfristige berufliche Karriereplanung. Es geht sozusagen um den "Blick hinter den Flutlichtmasten": Das heißt, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, sich einen Plan B zurechtzulegen und nachhaltig Perspektiven zu schaffen. Das Setting des Camps ist insofern speziell, da es ein geschlossener Rahmen ist, in dem wir arbeiten und die Ausgangssituation bei vielen Spielern akut schwierig und unsicher ist.

Ist die Situation bei Fußballern schwieriger wie in anderen Sportarten?
Fußball ist insofern besonders, weil es Geld zu verdienen gibt, was in vielen anderen Sportarten nicht oder weniger der Fall ist. Dementsprechend beobachten wir bei Fußballern oft den ausschließlichen Fokus auf den Sport. Inzwischen ist die Arbeitsmarktsituation aber sehr schwierig. Die Spieler die hier sind, sind im klassischen Fall weit davon entfernt, finanziell ausgesorgt zu haben. Positiv ist, dass das Bewusstsein im Fußball für die Bedeutung eines zweiten Standbeins steigt, ganz angekommen ist es aber noch nicht. Ein Teil der Spieler hier hat noch nicht wirklich über Dinge abseits der Fußballkarriere nachgedacht.

Sind Sie in Ihrer Position nur als Berater gefragt oder auch als Motivator?
Das kann man nicht trennen. Da stellt sich die Henne-Ei-Frage: Kommt die Motivation ursprünglich von innen oder außen? Langfristig muss sie von innen kommen. Natürlich haben wir auch eine Begeisterungsfunktion, die Ausgangssituation für einen Laufbahnberater hier ist nicht leicht. Einige Spieler haben einzig und alleine den nächsten Verein im Blick und plötzlich ist da jemand, der mit ihnen über eine Karriere fernab des Fußballs sprechen möchte. Wenn das Vertrauen da ist und die Wichtigkeit dieses Themas verstanden wird, kommt die Begeisterung jedoch fast von selbst – alleine dadurch, dass sich die Spieler als ganzheitliche Menschen begreifen und ihren Bedürfnissen und Wünschen folgen können.

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Dokument erstellt am 2015-07-13 12:41:16
Letzte Änderung am 2015-07-14 11:32:05


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