Wien. Vielleicht findet der ÖFB-Zeugwart im Depot noch ein paar der alten Leiberln - das würde die Fußballparty sicher aufpeppen. Die schon für Toni Polster und Andi Herzog zu große XL-Passform der späten 1990er-Jahre wird wohl auch David Alaba und Marko Arnautovic nicht wirklich stehen, aber der Aufdruck mit der sanft geschwungenen Tricolore hätte mittlerweile gewiss Retro-Chic. Und im Grunde zählt ja nur die Botschaft: "Frankreich wir kommen!", stand damals auf den T-Shirts der Nationalspieler, nachdem am 11. Oktober 1997 die WM-Qualifikation gegen Weißrussland fixiert worden war. "Frankreich wir kommen!", könnte es auch am Samstagabend wieder aus annähernd 50.000 Kehlen des Ernst-Happel-Stadions dröhnen, wenn mit einem Sieg über Moldawien frühzeitig die Fahrkarte zur EM-Endrunde nach Frankreich 2016 gelöst werden könnte.

Könnte. Schließlich braucht es dafür nicht nur besagten Heimerfolg gegen die Osteuropäer (Anpfiff: 20.45 Uhr), sondern auch die Schützenhilfe Schwedens, das bereits um 18 Uhr (ebenfalls live ORFeins) im Gruppe-G-Match auswärts gegen die Russen nicht verlieren dürfte.

Ein derart pompöses Fest wie an jenem lauen Oktobernachmittag vor 18 Jahren darf man sich am Samstag aber nicht erwarten - schließlich geht es bereits am Dienstag in Schweden in der EM-Qualifikation weiter. Nicht nur, dass die Elf von Marcel Koller mit dem Drei-Kronen-Team nach dem bitteren WM-Qualifikations-Aus vor zwei Jahren noch eine Rechnung offen hat, will die Nationalmannschaft die Qualifikation ungeschlagen überstehen und möglichst viele Punkte mit dem Ziel Topf zwei für die EM-Endrunden-Auslosung sammeln.

Damals war freilich alles anders. Nach der finalen Begegnung der Gruppe 4 schien all das nachgeholt zu werden, was acht Jahre zuvor - nach dem 3:0 über die DDR - durch die Missfallskundgebungen gegen Toni Polster und dem anschließenden Verkriechen in der Kabine nicht möglich war. Außerdem kam der Elf von Herbert Prohaska zupass, dass sie aufgrund der damaligen Uefa-Arithmetik de facto schon für Frankreich qualifiziert war - selbst bei einer Heimpleite gegen Weißrussland wäre man zu 99Prozent bester europäischer Gruppenzweiter gewesen.

Doch darauf wollten es Polster, Herzog und Co. gar nicht erst ankommen lassen. Diese Konstellation ermöglichte es freilich, schon vor dem Spiel die Feier im Prater beginnen zu lassen. Gut zwei Stunden vor Anpfiff begann das "Fest in Rot-Weiß-Rot" mit Stadion-Disco, dem Auftritt der Alpenrebellen und anderen Show-Einlagen. Die echte Fußball-Show startete dann gleich mit einem Paukenschlag - wenige Momente, nachdem Schiedsrichter Aron Huzu angepfiffen hatte, zappelte der Ball schon im Tor der Weißrussen: Polster hatte einen Eckball per Kopf verwertet, und das Prater-Oval verwandelte sich in ein Tollhaus, das an diesem Tag nicht mehr zur Ruhe kommen sollte. In Minute sechs staubte Peter Stöger zum 2:0 ab, ehe zehn Minuten später wieder Polster an der Reihe war und wie einst gegen die DDR einen Elfer verwandelte. Die La-Ola-Welle hatte schon gefühlte 50Runden hinter sich, als neuerlich Stöger kurz vor der Pause den Ball unhaltbar unter die Latte knallte und damit zum 4:0-Endstand traf. Der Gruppensieg war fixiert - jetzt konnte die Feier so richtig steigen.