Wien. "Es ist noch nicht geschafft." Diese Botschaft ist sicherlich die in jüngster Vergangenheit am häufigsten artikulierte aus dem Mund jener Menschen, die ein ÖFB-Wappen auf der Brust tragen. Teamchef Marcel Koller und sein Kapitän Christian Fuchs kleideten am Freitag, dem Tag vor dem möglicherweise entscheidenden EM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien am Samstag (20.45Uhr/ORFeins), diese Weisheit in neue Worte. "Lasst uns erst einmal spielen. Wir müssen noch über diese Linie treten", meinte der Schweizer. Und der Leicester-Legionär ergänzte: "Der Teufel schläft nicht, wir müssen Spiel für Spiel unsere Leistung bringen."

In der Tat müsste es mit dem Teufel zugehen, sollte Österreich im kommenden Juni nicht an der Euro 2016 in Frankreich teilnehmen. Als souveräner und noch ungeschlagener Tabellenführer braucht die Nationalelf nur noch vier Punkte aus den restlichen vier Partien (bei einem weiteren Heimspiel gegen Liechtenstein), um die erste erfolgreiche EM-Qualifikation aus eigener Kraft unter Dach und Fach zu bringen. Schneller geht es freilich, wenn andere - wie die Schweden - Schützenhilfe leisten: Wie mittlerweile jeder heimische Fußballfan weiß, würde ein Punkteverlust der Russen gegen das Drei-Kronen-Team (18Uhr/live ORFeins) das Moldawien-Match zu einem ganz besonderen machen. Dann reicht ein Sieg gegen die Osteuropäer, und im Prater werden wieder - wie im Herbst 1997 - die Frankreich-wir-kommen-Choräle intoniert.

Müßig zu betonen, dass sich weder Koller noch seine Spieler in dieser Phase mit derlei Gedankenexperimenten auseinandersetzen. Er werde zwar seine Spieler unmittelbar vor dem Aufwärmen über das Endergebnis in Moskau in Kenntnis setzen, gleichzeitig betonte er aber, dass dies wenig Einfluss auf das eigene Spiel haben werde: "Ob das Ergebnis in Russland passt oder nicht, ist egal. Wir müssen so ins Spiel gehen, dass wir gewinnen können, dass wir hoch konzentriert und fokussiert sind und uns nicht ablenken lassen." Auch Fuchs äußerte sich dazu vorsichtig: "Es ist vor allem wichtig, dass wir unsere Aufgaben erledigen" - um dann doch zuzugeben, dass ein passendes Ergebnis in Moskau ein zusätzlicher Motivationsturbo sein könnte. "Jeder ist heiß und brennt auf dieses Spiel. Wir können es kaum erwarten, auf dem Platz zu stehen. Und wenn das Russland-Ergebnis auch noch passen sollte, wird das zusätzliche Kräfte geben."