Stockholm. So schnell kann sich alles ändern. Keine zwei Jahre ist es her, da stand für Österreichs Nationalmannschaft in Schweden das Entscheidungsspiel in der WM-Qualifikation an, und ein Sieg war quasi Pflicht, um noch ins Play-off für Brasilien 2014 zu kommen. Nach einer famosen ersten Hälfte und 1:0-Führung folgte nach der Pause ein unerklärlicher Rückfall, der mit dem Ausgleich und dem späten Siegestor der Schweden durch Zlatan Ibrahimovic bestraft wurde. Ein Nackenschlag in Minute86, der WM-Todesstoß für die aufstrebende Elf von Teamchef Marcel Koller, der die bitterste Niederlage einer ÖFB-Auswahl in der jüngeren Vergangenheit kaum in passende Worte fassen konnte und nur von einer "großen Leere" sprach.

Doch nun wollten es Auslosung, Spielplan und der bisherige EM-Qualifikationsverlauf, dass es in der Friends-Arena zu Solna am Dienstagabend (20.45Uhr/ORFeins) die große Chance zur Wiedergutmachung in einem gleich doppelten Entscheidungsspiel gibt: Denn diesmal ist es Österreich, dass die Qualifikation erfolgreich abschließen und die Fahrkarte zur EM-Endrunde nach Frankreich vorzeitig lösen kann, sofern mindestens ein Remis gelingt; auf der anderen Seite dürfen sich die Schweden keinen Punkteverlust erlauben, sonst werden sie in der Tabelle von den schon abgehängt geglaubten Russen überholt (ein Erfolg der Sbornaja in Liechtenstein vorausgesetzt). Platz zwei und die direkte Qualifikation wären dann dahin.

Somit befindet sich Österreich in der ebenso seltenen wie komfortablen Situation, in das Spiel so ziemlich ohne Druck zu gehen - schließlich kann der Matchball auch noch auswärts in Montenegro (9. Oktober) oder daheim gegen Liechtenstein (12. Oktober) verwandelt werden. Der Gegner wiederum steht nach dem matten 0:1 am Samstag in Moskau - vor allem auch medial - mit dem Rücken zur Wand. In so einer Situation vertraut das Drei-Kronen-Team normalerweise auf die Künste ihres Superstars Ibrahimovic - dessen Einsatz hängt jedoch an einem seidenen Faden. Der 33-jährige Goalgetter von Paris St. Germain laboriert an einer Einblutung im Bauchmuskelbereich, die er sich in einer Liga-Partie zugezogen hatte; am Samstag wurde sie wieder akut, weshalb Ibrahimovic schon zur Pause vom Platz musste. Ob er am Dienstag auf dem Spielbericht steht, ist daher ungewiss und dürfte sich erst kurz vor Anpfiff entscheiden. "Die Hoffnung lebt, aber ich kann nicht abschätzen, ob es sich ausgeht", erklärte Teamchef Erik Hamren.