Wien. (kai) Wenn Rapid am Donnerstagabend (19 Uhr, live auf Puls4) im Ernst-Happel-Stadion Villarreal empfängt, dann liegt eine ausgesprochen bescheidene Serie hinter den Hütteldorfern. In den letzten sechs Partien gab es nur einen einzigen Sieg - ein Desaster nach dem hervorragenden Saisonstart. Nach dem 5:2-Triumph in Wiener Derby folgten zuerst ein Remis bei Sturm Graz, eine Heimpleite gegen Donezk, ein 3:0-Sieg gegen Grödig, ein Auswärtsremis bei Donezk und zuletzt zwei Niederlagen gegen Mattersburg und Altach. Kurzum - Rapid steckt in einer kleinen Krise, und das kurz vor dem Auftakt der Europa-League-Gruppenphase.

Zumindest genauso bitter wie die aktuelle Krise sind die beiden Ausfälle von Abwehrchef Mario Sonnleitner und dem griechischen Nationalspieler Thanos Petsos. Während Petsos, der sich beim Nationalteam verletzt hat, noch bis Anfang Oktober fehlen wird, muss Trainer Zoran Barisic nur am Donnerstag auf Sonnleitner verzichten, der eine Gelb-Rot-Sperre abzusitzen hat. Zudem fehlen Thomas Schrammel und Andreas Kuen mit Kreuzbandrissen noch längerfristig. "Abgesehen davon sind alle Spieler voll fit und bereit", betont Barisic.

Gegen den momentanen Vierten der spanischen Primera División wird vor allem voller Einsatz gefragt sein. "Wir wissen, was auf uns zukommt - das wird eine Riesenherausforderung", so Barisic. "Morgen erwartet uns eine europäische Spitzenmannschaft, die sehr gut mit dem Ball umgehen kann und über viel individuelle Qualität verfügt."

Innenverteidiger Christopher Dibon, der gemeinsam mit Maximilian Hofmann den Ausfall von Abwehrchef Sonnleitner wettmachen muss, schlägt in dieselbe Kerbe. "Es wird unsere Aufgabe sein, dass wir als Mannschaft draußen am Rasen rennen, kratzen und beißen bis zum Umfallen. Wir müssen Villarreal die Freude am Spielen nehmen." Den Ausfall von Sonnleitner empfindet er selbst nicht als Problem. Es sei zwar schön, wenn der Trainer aus dem Vollen schöpfen könne, aber das Verhältnis zu Hofmann sei gut. "Wir harmonieren auf dem Platz richtig gut, das gilt es morgen zu beweisen", erklärt Dibon optimistisch.

Trotz der defensiven Ausrichtung erwartet Trainer Barisic aber vor allem eines von der Mannschaft: "Wir werden versuchen, alles abzurufen, alles zu geben, und dann schauen, was für ein Resultat dabei herausspringt." Klar ist für ihn auch, dass man nicht nur eine Statistenrolle im spanischen Offensivfußball einnehmen will. "Wir wollen natürlich gewinnen."

Auf dem Papier ist die Angelegenheit eine deutliche: Der kumulierte Marktwert des Rapid-Kaders liegt bei etwas mehr als 17 Millionen Euro - Villarreal kommt auf satte 117 Millionen.

Einer der absoluten Stars der als Submarino amarillo, also gelbes U-Boot bekannten spanischen Truppe fehlt allerdings: Roberto Soldado, erst vor einem Monat für kolportierte 16 Millionen Euro von Tottenham gekommen, ist ohne Angabe von Gründen nicht im Kader. Auch die Innenverteidiger Eric Bailly und Mateo Musacchio fehlen - Bailly ist gesperrt, Musacchio fällt wegen einer Knöchelverletzung aus. Und Torhüter Asenjo wird nach einem Kreuzbandrisswohl bis Jahresende nicht mehr einsatzfähig sein.

Als besonders gefährlich hat sich bisher Stürmer Cédric Bakambu erwiesen. Der Franzose trifft im Schnitt alle 45 Minuten einmal.

"Spanischer Fußball ein Vorbild"

Trotz der namhaften Ausfälle hält Barisic den Kleinstadtverein - Villarreal hat gerade einmal 50.000 Einwohner - für den Favoriten. Die starke Mannschaft ist eine Konsequenz der hervorragenden Jugendarbeit, meint er. "Natürlich sind die spanischen Vereine so etwas wie ein Vorbild, wenn es um die Nachwuchsarbeit geht", meint Barisic. "Villarreal ist eine Mannschaft, die sich auf alles einstellen kann, die kämpfen kann, wenn es sein muss, die immer geschlossen auftritt."

Dass Villarreal im Sommer einige Stars des vergangenen Jahres abgeben musste, stellt in seinen Augen kein Problem für den Favoriten dar. "Man sieht, dass nicht einmal sie ihre besten Spieler halten können. Dort ist es normal, dass man Spieler entwickelt und um teures Geld verkauft." Die Fluktuation im Kader habe keine Auswirkungen auf die Qualität der Mannschaft. "Das System bleibt gleich, der Spielstil bleibt gleich. Es ist sehr viel Qualität in dieser Mannschaft vorhanden - für mich ist das so etwas wie ein Mini-Barcelona."