Ob Teamchef Marcel Koller die Rangliste gerade im Kopf zu berechnen versucht? - © apa/Hans Klaus Techt
Ob Teamchef Marcel Koller die Rangliste gerade im Kopf zu berechnen versucht? - © apa/Hans Klaus Techt

Wien. Nicht erst seit der gelungenen EM-Qualifikation ist Österreichs Fußballnationalmannschaft auf einem Höhenflug. Die starken Leistungen seit der Amtsübernahme durch Marcel Koller haben das ÖFB-Team auch in der Weltrangliste auf ein neues Hoch katapultiert - in der am Donnerstag erscheinenden Oktober-Ausgabe dürfte sich Österreich vom aktuell 13. Rang auf den elften Platz verbessern.

Aber wie funktioniert die so oft zitierte Weltrangliste eigentlich? Tatsächlich steht hinter der Berechnung der Weltrangliste ein nicht unkomplizierter Algorithmus, anhand dessen jedem Spiel, das eine Nationalmannschaft bestreitet, eine Punktzahl zwischen 0 und 2400 zugewiesen wird (wohlgemerkt nur bei den Herren, bei den Damen ist ein vollkommen anderes Berechnungssystem in Verwendung). Aus diesen Punktzahlen wird dann für jedes Jahr, das in die Berechnung einfließt, ein Durchschnittswert ermittelt.

Rechnen für die Rangliste


Im Wesentlichen sind fünf verschiedene Faktoren entscheidend, wie "wertvoll" ein Spiel für die Weltranglistenwertung ist. Ein Faktor, der mit der Kalkulation des eigentlichen Spielwerts nichts zu tun hat, ist die Zeit: Da sämtliche internationalen Ergebnisse der vergangenen vier Jahre in die Berechnung einfließen, die Weltrangliste aber die aktuelle Form wiedergeben soll, kommt Spielen, die innerhalb des letzten Jahres ausgetragen wurden, die höchste Wertigkeit zu. Konkret heißt das: Spiele der vergangenen zwölf Monate werden mit dem Faktor 1 multipliziert, Spiele des Jahres davor mit 0,5, davor mit 0,3 und schließlich mit 0,2. So kann es gut sein, dass ein Finalsieg vor vier Jahren weniger wert ist als ein Freundschaftsspiel vergangene Woche.

So viel zur jährlichen Abwertung: Daneben gibt es aber noch vier Kategorien, in der für jedes Spiel einzeln Punkte vergeben werden und aus denen sich der individuelle Punktwert der Partie ergibt: das Match-Ergebnis, die Wichtigkeit des Spiels, die Stärke des Gegners und die Konföderation, der der Gegner angehört. Aus der Multiplikation der vier Faktoren ergibt sich der Spielwert.

Zunächst zum einfachsten Wert: Je nach Spielergebnis werden hier unterschiedlich viele Punkte vergeben. Drei Zähler erhält man dabei für einen Sieg nach regulärer Spielzeit oder Verlängerung. Für Siege im Elfmeterschießen werden zwei Punkte vergeben, für den Verlierer eines solchen gibt es zumindest einen Punkt. Dieser wird auch bei Unentschieden an beide Teams vergeben. Keine Punkte erhält hingegen der Verlierer eines Spiels nach 90 oder 120 Minuten. Da alle vier Faktoren multipliziert werden, bringt eine Niederlage 0 Punkte.

Der zweite Wert ist die Wichtigkeit eines Spiels: Diese ergibt sich daraus, in welchem Umfeld ein Match ausgetragen wird. Auch hier werden Punkte vergeben. Für Spiele bei einer WM-Endrunde gibt es vier Zähler. Partien bei Kontinentalmeisterschaften wie etwa der EM bringen drei Punkte. Die Qualifikationsspiele für WM- oder EM-Endrunden werden mit 2,5 Punkten belohnt, für Freundschaftsspiele gibt es immerhin noch einen Zähler.

Als dritter Faktor spielt die aktuelle Weltranglistenposition des Gegners eine Rolle. Ein Spiel gegen den Weltranglistenersten bringt in dieser Wertung 200 Punkte, gegen den Zweiten 199 Punkte und so weiter. Für Mannschaften nach Platz 150 werden immer 50 Punkte vergeben.

Zu guter Letzt spielt, wie bereits erwähnt, auch der Kontinentalverband eine Rolle. Jedem einzelnen ist ein fixer Koeffizient zugewiesen, der die Stärke des Verbandes repräsentieren soll. Den höchsten Wert von 1,00 erreicht nur der südamerikanische Verband Conmebol, die Uefa rangiert mit 0,99 knapp dahinter. Für die nordamerikanische Concacaf, die afrikanische CAF, die asiatische AFC und den Ozeanien-Verband OFC gibt es jeweils den Koeffizienten 0,85.

Praktisch, aber fehlerhaft


Die Werte dieser vier Faktoren werden multipliziert, sodass sich ein Punktwert für das Spiel ergibt. Am Beispiel der Qualifikationsspiele gegen Moldawien und Schweden sieht man, wie die Berechnung funktioniert:

Österreich feierte im EM-Qualifikationsspiel (2,5 Punkte) gegen Moldawien einen Sieg (3 Punkte). Moldawien liegt auf Platz 123 der Weltrangliste (78 Punkte) und gehört der Uefa an (0,99 Punkte). Der Taschenrechner verrät: Der Sieg gegen Moldawien brachte Österreich in der Weltrangliste gerundet 579 Punkte.

Nun zum Spiel gegen Schweden. So wie gegen Moldawien ist es ein Spiel der EM-Qualifikation gegen einen Gegner aus der Uefa-Zone und endet mit einem österreichischen Sieg. Der einzige Wert, der sich verändert, ist die Stärke des Gegners: Als Weltranglisten-36. bringt Schweden in dieser Wertung 165 Punkte. Setzt man diesen Wert in die Formel ein, zeigt sich: Der Sieg gegen Schweden war für die Rangliste satte 1225 Punkte wert.

Am Ende des Jahres - präziser: des Zwölfmonats-Zyklus’, die Rangliste erscheint ja monatlich - wird dann wie vorhin bereits erwähnt zusammengerechnet. Die Spiele der vergangenen zwölf Monate werden addiert und dann durch die Anzahl der gespielten Spiele dividiert. Für die zwölf Monate davor wird gleich verfahren, allerdings wird hier nach der Durchschnittsberechnung noch mit 0,5 multipliziert. Mit den beiden Jahren davor wird analog verfahren, nur eben mit den Faktoren 0,3 und 0,2. Die Summe der vier Jahre ist schließlich die Punktzahl, anhand derer in der Weltrangliste gereiht wird.