Wien. (apa) Manchmal sei es fast schon gruselig. "Es passiert uns oft, dass der eine etwas ausspricht, das der andere gerade im Kopf gehabt hat", sagt Thomas Janeschitz. Der Co-Trainer des österreichischen Fußball-Nationalteams, das am Dienstagabend gegen die Schweiz zum letzten Ländermatch des Jahres antrat (nach Redaktionsschluss), ist die ideale Ergänzung zu Teamchef Marcel Koller. Dass er dabei stets im Schatten des Schweizer Erfolgscoaches steht, ist für den 49-jährigen Wiener kein Problem.

Janeschitz ist seit Kollers Amtsübernahme im November 2011 dessen Assistent. Daneben leitet der Ex-Teamstürmer auch die ÖFB-Trainerausbildung. "Die Kombination passt sehr gut zusammen", meint Janeschitz. "Weil man mit der absolut spannendsten Mannschaft Österreichs arbeiten kann, diese ganzen Verbindungen aber auch in die Ausbildung einbringen kann." Sich selbst irgendwann in Richtung Cheftrainer zu entwickeln, will Janeschitz nicht ausschließen. "Das ist sicher auch eine Möglichkeit, die mir Spaß machen könnte. Ich sehe schon, dass ich die Arbeit auf dem Platz mit Topspielern sehr gut verrichten kann und sie mir auch Befriedigung verschafft." Derzeit zähle aber nur die Vorbereitung auf die EM 2016 in Frankreich. Um seine Zukunft macht sich der Koller-Assistent trotz des nach der Euro auslaufenden Vertrages seines Chefs noch keine allzu großen Gedanken. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Fußball vieles von selbst läuft. Wenn wo eine Tür zugeht, ist die Qualität der eigenen Arbeit doch von vielen Menschen mitbekommen worden, und es haben sich Möglichkeiten ergeben."

Koller sieht er zwar täglich, über dessen Vertragssituation habe man intern aber noch gar nicht gesprochen. Janeschitz, der sich die Assistenzrolle bis zu dessen ÖFB-Abgang 2013 mit dem Schweizer Fritz Schmid geteilt hat, sagt: "Da ist dieses Urvertrauen, dass sowohl er als auch ich die richtigen Entscheidungen treffen werden." Ein Vertrauen, das auch auf dem Platz ersichtlich ist. Häufig leitet Janeschitz einzelne Trainingsteile, auch im Spiel findet ein reger Austausch mit dem Teamchef statt. "Wir sind uns sehr ähnlich, weil wir die gleiche Denke haben. Wir haben eine sehr ähnliche Vorstellung davon, wie wir Fußball spielen wollen."

Den Zufall minimieren

Die Letztentscheidung liege aber immer beim Cheftrainer. Koller erntet dafür auch die öffentlichen Huldigungen. Janeschitz: "Dass er im Vordergrund steht, ist selbstredend. Wir bekommen aber alle etwas von diesem Erfolg, den wir uns erarbeitet haben. Und der Weg ist ja noch nicht zu Ende." Die EM ist das große Ziel. "Letztendlich geht es aber auch dort nur darum, die Leistung abzurufen." Einer der großen Vorzüge Kollers sei es, Dinge klar anzusprechen. "Er hat in der Menschenführung und in der Personalführung unglaubliche Stärken. Für viele Führungskräfte wäre das lehrbuchmäßig", meint der Assistent. Alles könne man in einer Mannschaft dennoch nicht steuern. "Wenn man den Zufall minimiert, hat man als Trainer aber gute Arbeit verrichtet."

Janeschitz ist ein sehr analytischer Mensch. Zu Beginn seiner Trainerkarriere war er als AHS-Lehrer für Sport und Mathematik tätig. Mathematische Figuren - Dreiecke, Rauten oder Deltoide - seien auch im Fußball anwendbar. Vor der Überinterpretation von Statistiken warnt der ÖFB-Mann dagegen: "Die muss man als Fußballtrainer auch lesen und einschätzen können." Seine fußballerische Vergangenheit hält Janeschitz für den Job für wesentlicher als sein abgeschlossenes Lehramtsstudium. In seiner aktiven Karriere ging er unter anderem für den Wiener Sport-Club, FC Tirol Innsbruck und Austria Wien auf Torjagd. Sein einziges Länderspiel bestritt er 1993 in Schweden (0:1).

Für die Trainerausbildung im ÖFB ist der frühere Austria-Amateure-Coach seit 2009 zuständig. "Mittlerweile hat man da einen gewissen Wiedererkennungswert. Es war die Idee, dass man auch bei uns Spitzenspieler ausbilden können muss." Ob er ihnen in der Zeit nach Koller, in zwei, vier oder sechs Jahren, auch einmal als Teamchef vorstehen könnte? Janeschitz: "Dafür bin ich wieder zu sehr Mathematiker. Das hängt von zu vielen Variablen ab."