Zürich. (apa/art) Es war ein Jahr voller Skandale - und noch immer ist kein Ende derselben in Sicht. Am Mittwoch und Donnerstag treffen einander nun die nach Sperren und Suspendierungen verbliebenen Mitglieder des Exekutivkomitees des Weltfußballverbandes Fifa zu einer letzten Sitzung vor Weihnachten am Stammsitz in Zürich. Das turnusmäßige Treffen soll auch zeigen, wie wandlungsfähig die Fifa ist, deren Noch-Präsident Joseph Blatter ebenso wie Uefa-Boss Michel Platini vorerst für 90 Tage suspendiert worden ist. Laut dessen Anwalt fordert die ermittelnde Kammer der Ethikkommission gar den lebenslangen Ausschluss der beiden Top-Funktionäre.

Die Sanktionen und Korruptionsvorwürfe gegen die führenden Fußball-Manager der vergangenen Jahrzehnte schwebt dann auch wie ein Damoklesschwert über dem Meeting, auch wenn sie eigentlich gar nicht Hauptthema sein sollten. Stattdessen soll es um die Reformvorschläge gehen, die den Mitgliedern des Exekutivkomitees von François Carrard unterbreitet werden. Sie sollen bei dem außerordentlichen Kongress im Februar, bei dem auch die Neuwahl eines Präsidenten auf der Agenda steht, zu Statuten werden.

Sonderlich neu sind die meisten Ideen allerdings nicht. Alters- und Amtszeitbeschränkung wurden von den meisten der Anwesenden im Juni 2014 schon einmal abgelehnt. Doch Carrard wird sich mit marginalen Änderungen nicht zufriedengeben, denn die Fifa wird für einen ernsthaften und glaubwürdigen Neubeginn auch ihre Strukturen verändern müssen, bis hin zu einer Veränderung des Exekutivkomitees selbst. Domenico Scala, dem Chef der Audit- und Compliance-Kommission, schwebt vor, dieses in zwei Organe, ein Aufsichtskomitee, das sich um strategische Fragen kümmert, sowie ein Management-Board, das die Geschäfte führt - aufzuteilen. Doch wie die meist betagten Herren auf solche Vorschläge reagieren, dürfte spannend werden.

Amnesty-Kritik an Katar-WM


Großes Interesse sollten die knapp zwei Dutzend Mitglieder des Fifa-Gremiums auch an dem unmittelbar zuvor behandelten Tagesordnungspunkt haben: Ein Update zu den Untersuchungen der Schweizer und der US-amerikanischen Justiz wird versprochen. Dann müsste es auch um das Verfahren gegen Blatter und die dubiose Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an Platini aus dem Jahr 2011 gehen, die dieser ohne schriftlichen Vertrag erhalten hat.

Indessen ist schon alleine der Schauplatz des Treffens interessant: Denn das prunkvolle Fifa-Hauptquartier auf dem Zürichberg ist normalerweise nicht Versammlungsort für die traditionelle Dezembersitzung der Exekutive. Dass sich die Funktionäre diesmal hier treffen und nicht wie üblich am Ort der Klub-WM, die dieses Jahr in Japan stattfindet, ist noch der Sorge von Blatter vor Auslandsreisen geschuldet. Als der Termin fixiert wurde, war der umstrittene Präsident noch nicht suspendiert. Seit dem Skandalbeginn Ende Mai reiste der 79-jährige Schweizer nur einmal offiziell ins Ausland - zur Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen ins befreundete Russland, wo die Endrunde 2018 stattfinden soll. Auch die Doppelvergabe an die Russen und an Katar vier Jahre später ist nach wie vor Gegenstand von Ermittlungen in der Schweiz, seit der Wahl vor fast genau fünf Jahren wird diese von Korruptionsvorwürfen begleitet. Zudem steht Katar auch wegen der schlechten Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter auf den WM-Baustellen in der Kritik, erst am Dienstag hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty beklagt, dass sich trotz internationalem Druck "fast nichts" zum Positiven geändert habe.

Beim nächsten großen Fifa-Termin soll dann zur Abwechslung wieder gefeiert werden. Am 11. Jänner wird in Zürich der Weltfußballer 2015 gekürt. Danach müssen die Fußball-Macher aber endgültig Farbe bekennen. Die nächste Sitzung des Exekutivkomitees ist für den 24. Februar angesetzt. Zwei Tage später wird der Blatter-Nachfolger gewählt - und, so der allgemein postulierte Wille, eine Reformagenda verabschiedet.