Die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff ist tot. Cruyff sei am Donnerstag im Alter von 68 Jahren im Kreise seiner Familie "nach einem harten Kampf mit dem Krebs" in Barcelona gestorben, teilte seine Stiftung mit. Der frühere Spielmacher war im vergangenen Jahrhundert einer der besten Fußballer der Welt und prägte als Trainer das erste "Dream Team" des FC Barcelona in den 1990er-Jahren.
Cruyff hatte immer seinen eigenen Kopf - egal ob als Spieler, Trainer oder Fußball-Kritiker. Als Spieler mit der legendären Rückennummer 14 führte er seinen Stammclub Ajax 1971, 1972 und 1973 zu Triumphen im Europacup der Landesmeister. Drei Mal - 1971, 1973 und 1974 - wurde er zum europäischen Fußballer des Jahres gewählt.
Mit Barcelona gewann er die spanische Meisterschaft (1974) - der erste "Barca"-Titel seit 14 Jahren - und den spanischen Cup (1978), ehe er in den USA die Los Angeles Aztecs und die Washington Diplomats verstärkte und anschließend in die Niederlande zu Ajax zurückkehrte. Mit 37 Jahren holte er noch mit Feyenoord Rotterdam das Double (1984).
Danach wechselte er ins Trainer-Geschäft, gewann 1987 mit Ajax den Europacup der Cupsieger. Schon damals entwickelte er jenen taktischen Ansatz, der noch heute als "Ajax-Schule" gilt und auf einem 4-3-3-System mit schnellen und vor allem technisch starken Spielern beruht. Von dieser Grundordnung ausgehend forcierte Cruyff hohen Ballbesitz und konsequenten Angriffsfußball.
1991/92 führte er die Katalanen zum Triumph im Cup der Landesmeister, den er als Spieler dreimal mit Ajax Amsterdam gewonnen hatte.
Seine bitterste Niederlage erlebte der geniale Regisseur am 7. Juli 1974 im WM-Finale in München. Mit spektakulärem Offensiv-Fußball waren die von Rinus Michels, Cruyffs Entdecker bei Ajax Amsterdam, betreuten Niederländer ins WM-Finale eingezogen, dort durch einen Elfmeter, den der Superstar herausgeholt hatte, auch 1:0 in Führung gegangen. Doch dann wurde Cruyff, der Spieler des Turniers, von den Deutschen neutralisiert und die Gastgeber gewannen mit 2:1.
1978 in Argentinien war er nicht mehr dabei. Nicht einmal der legendäre Wiener Erfolgstrainer Ernst Happel vermochte den Star zu einer Rückkehr ins Oranje-Team zu überreden, das 1978 im WM-Finale erneut an den Gastgebern (1:3 n.V.) scheiterte. Sein letztes von 48 Länderspielen bestritt Cruyff am 26. Oktober 1977 beim 1:0 gegen Belgien.
Zu seinen zahlreichen Bewunderern und Schülern zählt auch der scheidende Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola. Der Katalane bezeichnete seinen früheren Mentor mehrmals als wichtigsten Ratgeber während seiner Spielerkarriere, zudem nannte er ihn den erfolgreichsten Trainer in der Geschichte von "Barca". "Cruyff hat eine Kathedrale errichtet. Wir haben sie nur instand gehalten", sagte Guardiola einmal über den Niederländer, der 1991 nach einer Herzoperation das Rauchen aufgab.
Zu seinem Kultstatus in Katalonien trug auch bei, dass Cruyff seinen Sohn nach dessen Schutzpatron Jordi nannte. Weil dies im faschistischen Spanien unter Franco verboten war, ließ er den Namen bei einem holländischen Standesamt eintragen,
In Folge dessen rief der am 25. April 1947 in Amsterdam geborene Ausnahme-Kicker die Johan-Cruyff-Stiftung zur Unterstützung von Projekten für arme und behinderte Kinder ins Leben und gründete auch eine Johan-Cruyff-Universität. Seinen 69. Geburtstag sollte er nicht mehr erleben.