Johann Cruyff mit lebensgroßen Bildern von sich selbst bei der Eröffnung einer Ausstellung im Amsterdam Museum im Dezember 2012. - © apa/afp/Anp/Olaf Kraak
Johann Cruyff mit lebensgroßen Bildern von sich selbst bei der Eröffnung einer Ausstellung im Amsterdam Museum im Dezember 2012. - © apa/afp/Anp/Olaf Kraak

"Ich habe das Gefühl, mit 2:0 in der ersten Halbzeit eines Spiels vorne zu liegen, das noch nicht zu Ende ist. Aber ich bin sicher, dass ich es gewinnen werde."

Johan Cruyff im Februar 2016

Es sagt viel über den Menschen Johan Cruyff, geboren am 25. April 1947 eigentlich als Hendrik Johannes Crujff, aus, dass er auch seinen Kampf gegen den Krebs mit einem Fußballspiel verglich. Cruyff gilt nicht nur als prägende Figur des Spielsystems Totaalvoetbal, des totalen Fußballs, jenes Stils also, bei dem auf jede Position sofort ein Spieler nachrückt und dadurch ein ansehnliches Offensivfeuerwerk auf dem Rasen entzündet werden kann; Cruyff war auch als Mensch quasi total vom Fußball durchdrungen. Doch das Spiel, von dem er noch vor einem Monat so optimistisch gesprochen hatte, hat sich gedreht. Am Donnerstag ist der 68-Jährige in seiner Wahlheimat Barcelona gestorben, wie seine Stiftung für benachteiligte Kinder mitteilte.

Cruyff, bis Anfang der Neunzigerjahre starker Raucher, hatte seine Lungenkrebserkrankung im Herbst öffentlich gemacht und war danach von einer Welle von Sympathien geradezu überschwemmt worden. "Ich wusste gar nicht, wie viele Fans ich habe", sagte er. Dabei konnte dies niemanden ersthaft überraschen. Der schnelle und taktisch überragende Stürmer mit der Nummer 14 gilt als bester und prägendster Spieler der niederländischen Fußball-Geschichte; er war in den Siebzigern dreimal hintereinander mit Ajax Amsterdam Europacupsieger der Landesmeister, herausragender Spieler der WM 1974, bei der er mit Holland erst im Finale von Deutschland gestoppt werden konnte, führte den FC Barcelona als Spieler und später als Trainer zu großen Erfolgen und wurde 1999 zu Europas Fußballer des Jahrhunderts gewählt.

Nicht nur, aber besonders in der katalanischen Metropole liegen sie ihm heute noch zu Füßen. Dass er sich 1973, als die spanische Liga ihre Grenzen für ausländische Profis geöffnet hatte, mit dem Argument, er wolle nicht für einen Klub spielen, der mit dem Diktator Franco assoziiert werde, gegen einen Wechsel zu Real Madrid und für einen zu Barcelona entschied, kam gut an. Und als Barcelona mit ihm 1974 die spanische Meisterschaft und damit den ersten Titel nach 14 Jahren holte, bekam er gar den Beinamen "El Salvador", "der Erlöser", verpasst. Und Cruyff selbst gab die Liebe zu Barcelona zurück: Seinen Sohn Jordi, eines von drei Kindern und später selbst Fußballer, nannte er nach dem katalanischen Nationalheiligen Sant Jordi.

"Eine Kathedrale erbaut"

Als er 1988 als Trainer nach Barcelona zurückkehrte, war er nicht nur maßgeblich an der Neuordnung der heute legendären Nachwuchsakademie La Masia beteiligt, er begründete auch eine Erfolgsära, in die der Gewinn des Europacups der Cupsieger 1989, vier spanische Meistertitel sowie der erstmalige Triumph im Champions-League-Vorgängerbewerb Europacup der Landesmeister im Jahr 1982 fiel. Doch es sind nicht nur die Trophäen, die Cruyffs Karriere pflastern. Vielmehr profitiert der FC Barcelona heute noch von jener offensiven und kombinationsfreudigen Spielkultur, deren Basis zwar sein früherer Trainer Rinus Michels gelegt hatte, die Cruyff aber perfektionierte. "Er hat eine Kathedrale errichtet. Wir haben sie nur instand gehalten", sagt der heutige Bayern-Trainer und ehemalige Barça-Erfolgscoach Pep Guardiola über jenen Mann, den er als seinen wichtigsten Ratgeber während seiner Spielerkarriere und erfolgreichsten Barcelona-Trainer der Geschichte bezeichnet. Cruyff selbst hatte den La-Masia-Absolventen Guardiola einst ins A-Team geholt, seine Ideen prägen ihn bis heute und hielten schließlich auch bei anderen Klubs Einzug.

Da verwundert es wenig, dass Cruyff auch nach seiner eigentlichen Trainerkarriere als Fußball-Experte für diverse Zeitungen sowie als Berater verschiedenster Klubs ein gefragter Mann war. Allerdings verliefen diese Engagements zumeist nicht so freudig wie jene als Spieler und Trainer. Denn so schwierig er als Aktiver zu bändigen war, als so schwierig galt er auch im Umgang. Er scheute sich nicht, harte, oft überharte Kritik zu äußern, Journalisten warf er gerne Sätze wie "Wenn ich gewollt hätte, dass Sie es verstehen, hätte ich es besser erklärt" um die Ohren, und wenn eine Vereinsführung nicht bedingungslos hinter seinen Vorsätzen stand, ging er. Im Herbst überwarf er sich deshalb auch mit seinem Stammklub Ajax, dem er danach ins Stammbuch respektive in seine Kolumne in der Zeitung "De Telegraaf" schrieb: "Seit Jahren stelle ich fest, dass meine Ideen nicht umgesetzt werden. Hinzu kommt der Eindruck, dass dies bewusst geschieht. Bei solchen Spielchen mache ich nicht mit." Nun hat Johan Cruyff auch seinen letzten Kampf verloren.

Reaktionen

"Ich habe einen Freund verloren, die Welt hat einen großen Mann verloren. Ich habe ihn bewundert. Er war ein Ausnahmespieler, er war der beste Spieler aller Zeiten."

Michel Platini

"Ich bin geschockt. Johan Cruyff ist tot. Er war nicht nur ein sehr guter Freund, sondern auch ein Bruder für mich."