• vom 29.03.2016, 22:33 Uhr

Fußball


Länderspiel

Ein guter Test




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  • Österreich verliert gegen die Türkei 1:2. Pechvogel des Abends war ÖFB-Goalie Ramazan Özcan.

Die Österreicher wurden von der Türkei nicht in die Ecke gedrängt. Sie hatten einfach Pech.

Die Österreicher wurden von der Türkei nicht in die Ecke gedrängt. Sie hatten einfach Pech.© apa/Neubauer Die Österreicher wurden von der Türkei nicht in die Ecke gedrängt. Sie hatten einfach Pech.© apa/Neubauer

Wien. (rel) "Diese EM-Qualifikationsgruppe mit neun Siegen und einem Remis als Erster abzuschließen ist eine Leistung, die jeden Respekt verdient." Oder: "Es gibt kein Team auf der Welt, das sie nicht unter Druck setzen und gegen das sie nicht ein Tor schießen können." Wenn man Fatih Terim, Teamchef der türkischen Nationalmannschaft, in den vergangenen Tagen über die rot-weiß-rote Equipe von Marcel Koller reden hörte, so klang das zwar schmeichelhaft - etwas einbilden durften sich die Österreicher auf diese Lobeshymnen nichts.

Immerhin konnte man die Begegnung mit dem türkischen Testgegner Dienstagabend im Wiener Happel-Stadion getrost als wahren Härtetest bezeichnen, bekamen es die Österreicher nicht nur mit der Nummer 20 der Fifa-Weltrangliste, sondern auch mit rund 10.000 türkischen Anhängern zu tun, die das heimische Oval lautstark bevölkerten und für Auswärtsatmosphäre sorgten. Viel Eindruck hatte das alles aber auf Coach Koller zunächst nicht gemacht. Er sah sich sogar veranlasst, die Startformation umzustellen und diesmal Rubin Okotie, Guido Burgstaller, Stefan Ilsanker und - im Tor - Ramazan Özcan zu bringen.


Prinzipiell kein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Die Österreicher starteten spritzig, versuchten die beiden türkischen Superstars, Barça-Legionär Arda Turan und Solo-Sechser Inan Selcuk, auf Distanz zu halten und nach vorne zu spielen. Das gelang nicht einmal so schlecht, wie die Aufwärmaktionen von Alaba (3. Minute), Florian Klein (5.) oder Okotie (8.) zeigten. Aber auch die Türken blieben nicht untätig - allen voran Hakan Calhanoglu, der seinen früheren Landsmann Özcan wiederholt beschäftigte (10., 12.). Nur ein Mann schien mit dem munteren Dahingeplätschere nicht ganz zufrieden zu sein: Marcel Koller - dessen Miene sich aber schlagartig wieder aufhellte, als das 1:0 fiel (22.). Für ein choreografisches Gustostückerl zeichnete Arnautovic, der an dem Abend sein 50. Länderspiel bestritt, verantwortlich. Sein Pass von der Seitenlinie durch die zurückflutende türkische Verteidigung fand den Fuß von Zlatko Junuzovic, der das Leder in einem technisch attraktiven Abschluss im Netz von Volkan Babacan unterbrachte. Jubel auf den Rängen.

Doch die Freude war verfrüht. Kaum schien das 1:0 die Nationalelf zu mehr Taten beflügelt zu haben - denn auf einmal funktionierten auch Passspiel und Pressing besser -, gelang den Gästen durch eine Standardsituation unerwartet der Ausgleich (43.). Der Freistoß von Leverkusen-Star Calhanoglu ins linke Eck war perfekt getreten, keine Frage. Allerdings war Özcan die Sicht verstellt. Da hatte er keine Chance.

Koller experimentiert
Die Gelegenheit, Österreich nach Seitenwechsel wieder in Führung zu bringen, hatte dafür Arnautovic am Fuß (47.), nur segelte sein Schuss - allein vor Babacan stehend - neben dessen Tor vorbei. Und so hätte es munter weitergehen können, wäre nicht Özcan inzwischen ein peinlicher Fehlpass passiert - und das ausgerechnet auf Turan, der das Geschenk dankend annahm und per Heber ins leere Tor die 2:1-Führung besorgte (56.). Damit war der Ernstfall eingetreten. Wie würden die Gastgeber mit diesem Rückstand umgehen?

Zumindest ein Szenario wurde nicht Realität - ein Absinken ins Chaos. Dass es nicht so weit kam, dafür sorgten Junuzovic, Arnautovic und Alaba, die das Spiel stabil und im Fluss hielten. Unterstützt wurden sie dabei von Koller, der mit wiederholten Spielerwechseln direkt eingriff und das System damit auf ein 4-1-4-1 umstellte. Wozu sind Testspiele da, wenn nicht dazu, zu experimentieren? Auch wenn es im Hinblick auf das Ergebnis nicht viel gebracht hat, so müssen sich die Österreicher ob dieser knappen Niederlage nicht schämen. Realistisch betrachtet wäre ein Remis in Ordnung gewesen. Da bringt es auch nichts, den armen Özcan zu prügeln. Fehler gehören dazu. Besser, sie passieren bei einem guten Test, als bei der EM im Juni in Frankreich.




Schlagwörter

Länderspiel, Österreich, Türkei

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Dokument erstellt am 2016-03-29 22:38:05


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