Frankfurt am Main. (may/apa) Im Milliardenpoker um die Medienrechte setzt die deutsche Fußball-Bundesliga erstmals auch auf Montagsspiele und könnte damit einen Proteststurm der Fans auslösen. Die Austragung von fünf Saisonpartien zum Wochenbeginn ab der Spielzeit 2017/18 ist Teil einer Spielplanreform, die die insgesamt 17 ausgeschrieben Rechtepakete attraktiver machen sollen.

Der Gesamterlös soll damit erstmals über die magische Milliardenmarke getrieben werden. "Der Profifußball benötigt viel Geld. Wir gehen guten Mutes in die Ausschreibung, denn es ist das attraktivste Medienrecht in Deutschland und eines der attraktivsten Medienrechte der Welt", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Dienstag. Der Hintergrund des angestrebten neuen Kontraktes ist evident: Die englische Premier League hat im Vorjahr einen neuen Fernsehvertrag für die Saisonen 2016 bis 2019 abgeschlossen, der den 20Vereinen insgesamt 6,9 Milliarden Euro einbringen wird. Seit diese Zahlen bekannt sind, gibt es insbesondere im Land des Weltmeisters eine heftige Debatte über ähnliche Erlöse, um im internationalen Wettrüsten konkurrenzfähig zu bleiben.

Weniger begeistert dürften über die neuen Pläne allerdings die Fans sein, bei denen sich Unmut über die geplante Premiere von Montagsspielen im Oberhaus regt. "Ich habe Verständnis für die Sorgen, die ich sehr ernst nehme. Aber klar ist, dass die Rechtevergabe im Vordergrund steht", entgegnete Seifert. Unterschätzen sollte man das Protestpotenzial allerdings auch nicht, wie etwa die Fan-Initiative "Pro 15:30" vor rund 15 Jahren bewies. Ein damals völlig zerfledderter Spielplan musste auf diesen Druck hin umgemodelt werden - mit aktuell immerhin fünf Spielen zur samstägigen Kernzeit 15.30 Uhr.

Die Entscheidung, welche Sender künftig über das Premiumprodukt berichten, soll Anfang Juni fallen. Die DFL erhofft sich einen Erlös von 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro. In der laufenden Vierjahresperiode betragen die Einnahmen pro Saison 748 Millionen Euro aus den nationalen und internationalen Rechten.

In der zweiten deutschen Bundesliga sind (live übertragene) Montagsspiele seit mehr als zehn Jahren schon Usus. Somit müsste sich der Red-Bull-Klub RB Leipzig auch nicht umstellen, wenn der Zweitligist künftig erstklassig am Ball ist. Denn der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse steht unmittelbar bevor. Der klare Vorsprung auf die Konkurrenz verführte Ralf Rangnick zwar keineswegs dazu, vorzeitig in Partystimmung zu verfallen, aber die komfortable Ausgangssituation wollte der Trainer nicht abstreiten. "Wir haben vielleicht keinen Riesenschritt, aber einen ordentlichen Schritt gemacht", meinte Rangnick nach dem 3:1-Erfolg am Montagabend in Düsseldorf.

Leipzig mit Sechs-Punkte-Polster

Vor den letzten fünf Runden beträgt der Vorsprung des Zweitliga-Zweiten auf den Relegationsplatz und den 1. FC Nürnberg komfortable sechs Punkte. Die aussichtsreiche Situation bietet der Red-Bull-Dependance viele Möglichkeiten, die Zukunft frühzeitig zu planen. Das gilt auch für die noch offene Trainerfrage. "Wir werden den neuen Trainer präsentieren, sobald wir wissen, in welcher Liga wir spielen", betonte Rangnick, der sich ab Sommer wieder auf seine Rolle als Sportdirektor konzentrieren will.

Am kommenden Freitag soll im Heimspiel gegen den Tabellen-13. Sandhausen für die mit den ÖFB-Teamspielern Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker gespickte Truppe der nächste Schritt Richtung Aufstieg folgen. Allerdings ist Respekt gefragt: Im vergangenen Mai setzte es vor heimischem Publikum gegen Sandhausen ein 0:4-Debakel. "Da haben wir am eigenen Leib erfahren, wie schwierig es ist, gegen Sandhausen anzutreten", warnte Mittelfeldspieler Dominik Kaiser.