Wien. "Bitte, kommen Sie weiter, meine Herren." Andy Marek, Stadionsprecher und Chef des Klub-service beim SK Rapid Wien, hat es an diesem wolkenverhangenen Dienstagvormittag eilig. Ein flüchtiger Händedruck muss genügen - und schon werden Rudolf Edlinger, seines Zeichens Ehrenpräsident des grün-weißen Vereins, und seine Begleiter durch das mit Baustellengittern versehene Portal des Allianz-Stadions in Hütteldorf geleitet. Im Eingangsbereich riecht es nach Farbe und Zement, Kabel hängen von der Decke, aus dem Stiegenhaus und den angrenzenden Räumen dringen Staub und Baustellenlärm.

Es sind Marek die Freude und der Stolz, mit dem er die geladenen Funktionäre, Sponsoren und Medienvertreter durch das großzügige VIP-Zentrum führt, anzusehen. Seit etwas mehr als 16 Monaten wird nun schon an der neuen Heimstätte des SK Rapid gebaut. Eine ideale Gelegenheit für die grün-weiße Vereinsführung, die Öffentlichkeit über die jüngsten Fortschritte bei diesem "Jahrhundertprojekt" (Marek) zu informieren. Während Geschäftsführer Christoph Peschek und Projektleiter Harry Gartler vor den kahlen Wänden des VIP-Bereichs die bisherigen Leistungen loben und ihre Zuversicht über eine pünktliche Fertigstellung äußern (Gartler: "Es ist jetzt die Rapidviertelstunde und eine intensive Zeit"), wird wenige Meter entfernt unter freiem Himmel fleißig gearbeitet. Bulldozer, die frische Erde auftragen, Kranwagen, die Handwerker bis in die letzten Winkel des Tribünendaches tragen, Drainage-Folien, die fachmännisch unter dem Platz verlegt werden. Die Kioske auf der Promenade sind laut Gartler vergangene Woche übergeben worden. Anfang Mai wird der Fertigrasen angeliefert, die Asphaltierungsarbeiten an den Außenanlagen sollen im Juni fertig sein.

Rund 300 Bauarbeiter sind es, die laut Peschek aktuell dafür sorgen, dass alles zeitgerecht fertig wird. Viel Zeit bleibt den Verantwortlichen freilich nicht. Bereits am 30. Juni 2016 soll das um 90 Grad gedrehte und von allen Seiten umschlossene Oval dem Klub übergeben werden, die feierliche Eröffnung der "grün-weißen Hölle", wie es Sportdirektor Andreas Müller ausdrückt, ist für den 16. Juli angesetzt.

11.500 Abos bereits verkauft

Für diesen Tag haben sich Müller und Peschek eine Überraschung überlegt - ein Testspiel gegen den aktuell noch amtierenden englischen Meister Chelsea FC. Dass der Klub trotz schwächelnder Performance in der Premier League eine große Nummer ist, steht für Müller außer Zweifel. "Das ist ein Supergegner, ein Team, das absolutes Topniveau hat. Es ist eine große Herausforderung, gegen so eine tolle Mannschaft zu spielen, da freuen wir uns darauf", meint der Deutsche, der seit zwei Jahren die sportlichen Agenden beim Rekordmeister leitet. Welche Spielerstars die Rapid-Anhänger bei dem Test zu sehen bekommen werden, ist offen, da die EM-Endrunde in Frankreich erst am 10. Juli endet und zudem die Copa America bis 26. Juni gespielt wird. Viele Teamspieler wie die beiden spanischen Stars Diego Costa und Cesc Fàbregàs könnten auf Urlaub weilen.

Die Begegnung am 16. Juli im Allianz-Stadion ist für 18 Uhr angesetzt, der Kartenvorverkauf beginnt exklusiv für bestehende Jahreskartenbesitzer am 20. Mai (bis 29. Mai). In weiterer Folge haben Vereinsmitglieder von 30. Mai bis 4. Juni ein Vorkaufsrecht auf ein Ticket, der freie Vorverkauf startet am 6. Juni. Insgesamt wurden laut Peschek bis jetzt 11.500 Abos verkauft. Das Geld hat Rapid trotz Förderungen auch nötig. 53 Millionen Euro wird der Bau am Ende insgesamt verschlungen haben. Als Marek die Gäste zum Buffet bittet, spielen die Kosten beim Smalltalk keine Rolle, sondern eher die aktuelle sportliche Performance und der vermutlich verpasste Meistertitel. Aber das ist eine andere Geschichte.