Fünf Kugeln hat Bayern in der Geschichte der Königsklasse bereits gewonnen, nun schielt Pep Guardiola auf Nummer sechs. - © ap/Schrader
Fünf Kugeln hat Bayern in der Geschichte der Königsklasse bereits gewonnen, nun schielt Pep Guardiola auf Nummer sechs. - © ap/Schrader

Wien/Hamburg. Mit einer großen Portion Respekt vor Atlético ist der FC Bayern die Reise nach Madrid zum Semifinal-Hinspiel der Champions-League am Mittwoch (20.45 Uhr/ORF eins) angetreten. Denn im Lager des deutschen Rekordmeisters ist man sich einig: Der Bezwinger von Titelverteidiger FC Barcelona stellt eine hohe Hürde auf dem Weg ins Endspiel am 28. Mai in Mailand dar. Coach Josep Guardiola, der David Alaba dabei zu seinem 50. Einsatz in der Königsklasse verhelfen wird, stellte seine Kicker auf eine hitzige Partie im Estadio Vicente Calderón ein. "Dort herrscht die beste Stimmung in Europa. Es wird ein großes, großes Duell."

An Selbstvertrauen mangelt es nicht. Seine Mannschaft steht in der Bundesliga vor dem Meistertitel und außerdem im Cupfinale, weshalb auch die Chance auf das erste Triple seit drei Jahren lebt. "Bis zur letzten Minute um alle Titel zu kämpfen, ist sehr schön", erklärte der im Sommer zu Manchester City wechselnde Guardiola. Zweimal gewann der Katalane bereits mit Barcelona die Champions League. In seiner Bayern-Zeit war aber in den Semifinali gegen Real Madrid und Barça Endsta-
tion, "Damals haben wir wegen der Qualität unserer Gegner verloren. Real und Barcelona waren top", sagte Guardiola.

Bayern in Spanien sieglos


Auf den FC Bayern wartet nun der dritte spanische Spitzenklub. Die Colchoneros gelten mit ihrer aggressiven, laufintensiven und disziplinierten Spielweise als äußert unangenehmer Gegner. "Atlético war für mich das Team, gegen das ich am wenigsten spielen wollte. Sie sind schwer zu schlagen und der härteste Halbfinal-Gegner", sagte Verteidiger Javi Martínez.

Sein Kollege Xabi Alonso wiederum zeigte sich selbstbewusster. "Wir spekulieren nicht auf ein Unentschieden. Unsere Mentalität ist es, auf Sieg zu spielen", betonte der Baske. Allerdings verheißt die Statistik für die Münchner vor deren bereits zehntem Halbfinale in der Königsklasse wenig Gutes. Seit dem 2:0 bei Arsenal im Achtelfinale 2014 gelang in nicht weniger als sieben K.o.-Spielen auswärts kein Sieg, acht der jüngsten zwölf Auftritte des FC Bayern in Spanien gingen verloren.

Im Calderón gastierte der deutsche Rekordmeister bisher noch nie, trotzdem machte man mit Atlético schon positive Erfahrungen. 1974 endete das Meistercup-Finale in Brüssel dank eines Last-Minute-Treffers von Hans Schwarzenbeck mit 1:1, das darauffolgende Wiederholungsspiel gewannen die Bayern ebenfalls in der belgischen Hauptstadt mit 4:0. Es war der erste von drei aufeinanderfolgenden Triumphen der Bayern im wichtigsten Europacup-Bewerb. Atlético hingegen blieb das Pech auch 2014 treu, als man im Champions-League-Endspiel gegen Real in der 93. Minute den Ausgleich zum 1:1 kassierte und in der Verlängerung 1:4 unterging.

Geht es nach Kapitän Gabi Fernández, soll der große Wurf heuer gelingen. "Ein Gegner wie Bayern ist für uns die Chance zu zeigen, wer wir sind. Unsere Stärke liegt in unserem Wissen, dass sie besser sind, wir das aber durch unsere Leidenschaft ausgleichen können." Leidenschaft wird auch vonnöten sein, bekommen es die Spanier nicht nur mit einer von Stars gespickten, sondern auch finanziell in einer ganz anderen Liga spielenden Mannschaft zu tun. Nur zum Vergleich: Das Budget von Atlético betrug in der vergangenen Saison 187 Millionen Euro, das von Bayern 477 Millionen.