Madrid. (klh) In der Heimat beherrscht Bayern München die Konkurrenz fast nach Belieben. Unter Pep Guardiola führen die Münchner in der deutschen Bundesliga ihre Gegner regelmäßig vor, es ist mittlerweile nur noch eine Frage, wie überlegen die Bayern, und nicht, ob sie Meister werden. So ist heuer in der dritten Saison unter Guardiola der dritte Meistertitel so gut wie sicher. Trotzdem: Das endgültige Urteil über die Ära des Katalanen, die mit dieser Saison in München zu Ende geht, wird anderswo gesprochen, nämlich auf dem internationalen Parkett. Und hier fehlt noch der große Coup, der Champions-League-Titel. Die heurige Saison ist also für Guardiola in dieser Hinsicht die der letzten Chance.

Im Halbfinale wartete dabei auf die Münchner ein Team, das in gewisser Weise der genaue Gegensatz der Bayern ist: Atlético Madrid. Während die Bayern auf spielerische Mittel setzen, vertraut Atlético vor allem auf die kämpferischen Grundtugenden des Kratzen, Beißen, Spucken.

Allerdings: Die Spanier können auch wirklich gut mit dem Ball umgehen. Das bewies der 21-jährige Saúl Níguez gleich in der elften Minute. Bei einem Solo ließ er vier Bayern-Spieler ins Leere laufen und krönte diese wunderbare Aktion mit einem Abschluss ins lange Eck zum 1:0. Bitter für die Münchner, bitter für David Alaba: Der wegen der langen Münchner Verletztenliste als Innenverteidiger aufgebotene Österreicher war der letzte Mann unter den Bayern-Spielern, die sich ausspielen hatte lassen.

So spielerisch das Tor war, Atlético hatte es sich auch erkämpft. In der Anfangsphase der Begegnung wurde jeder einzelne ballführende Bayern-Spieler, wo er sich auch befand, von den Spaniern sofort überfallen. Mit der Zeit zog sich das Team von Diego Simeone dann weiter nach hinten zurück und setzte auf Konter. Beides lag den Münchnern, bei denen Thomas Müller und Frank Ribéry überraschend auf der Bank saßen, nicht. Sie fanden nicht ins Spiel, Atlético war die ganze erste Halbzeit hindurch das wesentlich präsentere Team.

Lattentreffer von Alaba


In der zweiten Hälfte zogen sich die Madrilenen noch weiter zurück, während die Bayern entschlossener aus der Kabine kamen. Dass nun eine andere Musik spielt, machte spätestens Alaba in der 54. Minute klar, als er den Ball aus mehr als 30 Metern an die Latte knallte. Der deutsche Meister hatte nun ein Übergewicht, zeigte endlich gefährliche Aktionen. Doch auch die Madrilenen lauerten weiter, was ein Stangentreffer von Fernando Torres unterstrich.

Am Ende nützte den Bayern ein klares Übergewicht im Ballbesitz nichts, es blieb beim 1:0. Eine undankbare Aufgabe für das Rückspiel in München.