München. (art) Alles Müller oder was? Nach dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Atlético Madrid hatte die Aufstellung von Bayern-Trainer Pep Guardiola respektive die Nicht-Aufstellung des Torjägers Thomas Müller zu Beginn für Aufregung gesorgt, die einem medialen Staatsakt nahe gekommen war. Als Müllers Name schließlich auf dem Spielbericht für das Rückspiel am Dienstagabend auftauchte, war die Erleichterung groß. Müller würde es schon richten, war der allgemeine Tenor, er würde das dritte Halbfinal-Ausscheiden der Bayern unter Guardiola gegen einen Verein aus dessen spanischer Heimat verhindern. Doch schon im Hinspiel war nicht (nur) die Rolle Müllers schuld an der 0:1-Niederlage; ebenso wenig war er im Rückspiel der erhoffte Wunderwuzzi.

Die Münchner agierten zwar von Anfang an besser als Atlético, das sich weit in die eigene Hälfte drängen ließ, kamen zu zahlreichen Chancen, scheiterten aber immer wieder am überragenden Jan Oblak im Tor der Gäste. In der 31. Minute dann die kollektive Erleichterung in der Allianz-Arena: Nach einem Foul an Österreichs Teamspieler David Alaba, der diesmal wieder als Linksverteidiger aufgeboten wurde, fälschte José Giménez in der Mauer den Freistoß von Bayerns Xabi Alonso unhaltbar ab. Es war das erste Gegentor für Oblak nach sechs Pflichtspielen. Giménez verursachte dann zwei Minuten später einen Elfer, doch Müller, ausgerechnet, schoss den Ball zu zentral, der Slowene konnte retten. Das 2:0 für die Bayern wäre gegen Madrilenen hoch verdient gewesen; doch bis zur Pause blieb es bei der knappen Führung, mit der das Ergebnis aus dem Hinspiel gerade wettgemacht war - nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Trotz des bis dahin wenig hoffnungsschwangeren Spiels gab Atlético nicht auf, wartete auf seine Chancen - und fand sie in der 53. Minute durch Toptorjäger Antoine Griezmann vor: Eine Unachtsamkeit von Jérôme Boateng, der gerade erst von einer Verletzung in die Bayern-Innenverteidigung zurückgekommen war und auf dem ähnliche Hoffnungen wie auf Müller geruht waren, Griezmann war auch von Alaba nicht zu stoppen, auf und davon und der Ball zum 1:1 für Atlético im Netz von Manuel Neuer. Die Bayern konnten danach zwar nicht jenen Druck wie in der ersten Hälfte erzeugen, waren aber weiter bestimmend und gingen durch einen Kopfball von Robert Lewandowski nach Alaba-Vorarbeit wieder mit 2:1 in Führung (74.). Und es war Manuel Neuer im Tor zu verdanken, dass es zehn Minuten dabei blieb. Javi Martínez hatte Fernando Torres außerhalb des Strafraums gefoult, der Schiedsrichter dennoch auf Elfmeter entschieden. Doch Torres scheiterte an Neuer, wodurch die Bayern weiter hoffen durften. Doch in der hektischen Schluss- und Drangphase der Münchner gelang kein Treffer mehr, womit die Münchner ausgeschieden und die Madrilenen wie 2014 im Finale sind.