Madrid. (rel) Unter gewöhnlichen Umständen enthält ein Cup-Finale wie jenes am Sonntag zwischen dem FC Barcelona und FC Sevilla (21.30 Uhr) schon reichlich Spannungspotenzial. Allerdings drohte nun die Begegnung im Stadion Vicente Calderón in Madrid zur politischen Farce zu verkommen - und dabei ging es "nur" um ein Stück Stoff: die sogenannte Estelada. Weil die spanische Regierung in der blau-gelb-roten Flagge der Nationalisten von Katalonien, die auch von Barça-Fans oft und gern geschwenkt wird, ein politisches Symbol für die Unabhängigkeit der Provinz sah, hatte sie den Anhängern die Mitnahme der Fahne auf die Ränge verboten. Das Zeigen der Estelada, die sich lediglich durch einen Stern auf blauem Grund vom offiziell gültigen Banner der Provinz (Senyera) unterscheidet, könnte "gewaltsames oder terroristisches Verhalten provozieren", hieß es am Freitag.

Klub legt Beschwerde ein


Tatsächlich ging aber der Schuss nach hinten los. Während sich die Barça-Fans dagegen wehrten, bei den Stadionportalen nach den inkriminierten Fahnen gefilzt zu werden, kochte in Barcelona indes die Volksseele. "Die Fahne ist vollkommen legal, Millionen Kalalanen sehen in ihr ein Symbol der Freiheit", polterte etwa Regionalpräsident Carles Puigdemont und warf Madrid vor, jeglichen Dialog zu verweigern. Im Herbst hatten sich bei einem inoffiziellen Referendum rund 80 Prozent der Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Spanien ausgesprochen, allerdings waren weniger als ein Drittel der Katalanen zur Wahl gegangen. Die Ursachen für den Unmut sind weniger in nostalgischen Gefühlen - Katalonien ist seit 1474 fixer Bestandteil der Monarchie -, als im Budgetstreit zu suchen, der das Verhältnis zwischen Madrid und der reichen Region belastet.

Rückendeckung kam am Freitag vom FC Barcelona persönlich. Der Klub legte bei einem Gericht Beschwerde gegen das Fahnenverbot ein und bekam recht. Der Vorwurf, wonach die Flagge zu Gewalt und Terrorismus anstifte, sei nicht erwiesen, hieß es.