Dabei hatte Daxbacher im Wesentlichen das selbe Spielermaterial wie in der vergangenen Saison zur Verfügung, mit dem erst kurz vor Saisonende der Klassenerhalt fixiert wurde. Daxbacher setzt vor allem auf eine generell sehr kontrollierte Spielweise mit einer sicheren Ballzirkulation in Abwehr und Mittelfeld. Der SKN agiert aus einer 4-2-3-1-Grundordnung heraus, wobei die Mannschaft eine sehr breite und etwas unverbundene Staffelung besitzt.

Die defensiven Mittelfeldspieler stehen sehr tief, holen sich die Bälle früh, um dann lange Diagonalpässe auf die Flügelspieler zu spielen. Dort wird versucht, mit einfachen Flügeldurchbrüchen und vielen Flanken zum Erfolg zu kommen - eine eher simple und nicht unbedingt effektive Spielweise. Gegen offensivere Gegner tat sich Daxbachers Mannschaft oft leichter, da sie so ihre Qualitäten im schnellen Umschalten besser ausspielen kann. Defensiv zeigte der SKN immer wieder Unsicherheiten in der Abwehr, steht aber durch ein relativ gut organisiertes Pressing stabil. Rein von der Spielidee her ist dies sicher nichts Besonderes, jedoch wird dieses System von der Mannschaft sehr stark umgesetzt.

Punktuelle Verstärkungen

Glasner beim Lask dagegen bevorzugt eine Spielweise, die von Experten als moderner angesehen wird, zeigt aber Schwächen in der Umsetzung. Er setzte im Herbst auf bedingungsloses Offensivpressing und einen Fokus auf Gegenpressing, überforderte die Mannschaft damit ein wenig und korrigierte erst im Frühjahr seine Spielweise. Letztlich scheiterte der Lask trotz eines Kaders auf Bundesliga-Niveau auch am hohen Druck und an mangelnder Konstanz. Der SKN dagegen ist zwar individuell unterlegen, der Meistertitel wurde aber möglich, da Daxbacher ein passendes System zum vorhandenen Spielermaterial fand. Die breite Spielanlage mit Fokus auf Angriffe über die Flügel kommt etwa Florian Mader entgegen, der seine Diagonalpässe mit einer Präzision wie kaum ein Zweiter in Österreich spielt. Auch Michael Ambichl profitiert vom 63-jährigen Trainer. Der kombinative Mittelfeldspieler bildet mit Mader zusammen eine extrem spielintelligente Doppelsechs, entwickelte sich heuer enorm und konnte gleich 13 Tore vorbereiten. Spektakulärster Spieler in der Mannschaft ist Winterneuzugang Cheikhou Dieng. Der Senegalese wird zumeist mit langen Bällen am Flügel gesucht, wo er seine beeindruckende Schnelligkeit und sein gutes Dribbling ausspielen kann. Im starken Frühjahr, in dem der SKN bisher 13 von 16 Spielen gewinnen konnte, machte Dieng oft den Unterschied aus. Ob er auch gehalten werden kann, ist noch unsicher. "Wir werden ein paar neue Spieler holen", kündigt Schinkels an. Prinzipiell möchten die St. Pöltner aber mit einer weitestgehend unveränderten Mannschaft in der Bundesliga spielen. Auch Schinkels persönlich hat vor, beim Verein zu bleiben, nur Details seien noch zu klären: "Ich bin gekommen, als der SKN Vorletzter war, und jetzt möchte ich aus ihm einen stabilen Bundesligisten machen." Doch bevor dieses Ziel Realität werden kann, wird zunächst einmal das Erreichen des vorherigen gefeiert - im Stadion und danach auf der Fanmeile.