Mailand. Sergio Leone hätte an dieser Konstellation seine helle Freude gehabt: Hier der Gute, der geniale Schütze, der strahlende Sieger - dort der Hässliche, der hart am Erfolg Arbeitende, nie um schmutzige Tricks Verlegene. Gäbe es ein Remake des Western-Klassikers "Zwei glorreiche Halunken" würden Zinédine Zidane und Diego Simeone den Original-Schauspielern Clint Eastwood und Eli Wallach alle Ehre machen. Doch auch das Trainer-Duell, das sich am Samstagabend (20.45Uhr) im Champions-League-Finale auf dem Rasen des Mailänder San Siro ankündigt, verspricht Spannung pur. Real Madrid gegen Atlético Madrid ist nicht nur die Revanche des Fußballkrimis von 2014 im finalen Wettstreit der Königsklasse, sondern auch der erbitterte Kampf um die fußballerische Vorherrschaft in Spaniens Hauptstadt, vor allem aber ist es das Aufeinanderprallen zweier unterschiedlicher Spielsysteme und Trainerphilosophien, recht anschaulich verkörpert in den Charakteren Zidane und Simeone.

Diego Simeone. - © ap/Probst
Diego Simeone. - © ap/Probst

Hier das offensiv ausgerichtete Starensemble um Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Konsorten, das weiße Ballet, der Oberschichtenklub, der seinen elften Titel in Meistercup respektive Champions League anstrebt - angetrieben von einer Klublegende, die schon als Spieler für Zaubermomente in den europäischen Stadien gesorgt hatte, als Weltmeister, Weltfußballer und natürlich Champions-League-Sieger. Dort die defensive Spielzerstörer-Truppe, die rot-weißen Matratzenmacher, die ihre Anhänger aus der Arbeiterschicht rekrutieren und erstmals in der Vereinsgeschichte den höchsten Pokal Europas erobern können; der Trainer schon als Spieler ein mit allen Wassern gewaschener Heißsporn, mehr Zerstörer als Vorlagengeber, der seine Erfolge weniger dem großen Talent als dem übergroßen Ehrgeiz verdankte - immerhin Südamerika-Meisterschaft-Sieger und Uefa-Cup-Gewinner. Doch eines hat Simeone seinem Widerpart Zidane voraus - er hat auch als Trainer schon ansehnliche Erfolge gefeiert: Er führte die Rojiblancos seit 2011 unter seiner Ägide zum spanischen Meistertitel, Cupsieg und zum Europa-League-Titel.

Für Zidane hingegen wäre der Sieg am Samstag gleichbedeutend mit einem Katapultstart auf seiner ersten Trainerstation: Knapp fünf Monate ist es her, dass "Zizou" von der Real-Reserve in der dritten Liga zum Chefcoach befördert wurde und den glücklosen Rafael Benítez ersetzen durfte. Eine Art Experiment, das aber trotz medialer Skepsis ("Legende ohne Erfahrung") voll aufging. Unter dem Weltmeister von 1998 kamen die Königlichen zu 21 Siegen in 26 Spielen und mit einem starken Schlussspurt noch auf Liga-Rang zwei hinter Erzrivale Barcelona. Und auch die kritischen Fans im Bernabéu konnte der Franzose mit seinem Offensivgeist überzeugen, erzielte Real doch unter seiner Führung 2,73Tore pro Spiel.