Klagenfurt. (rel) Nur kein Risiko eingehen. Das war wohl auch eine Devise, der Teamchef Marcel Koller beim Testspiel gegen Malta am Dienstagabend in Klagenfurt folgte. Anstelle des Trios David Alaba, Christian Fuchs und Torhüter Robert Almer hatte er Mittelfeldkicker Alessandro Schöpf, Linksverteidiger Markus Suttner und Goalie Heinz Lindner auf den Rasenplatz des Wörthersee-Stadions geschickt. Und er tat angesichts der zahlreichen Verletzungsmeldungen, mit denen viele europäische Trainerkollegen kurz vor Anpfiff der EM in Frankreich konfrontiert sind, gut daran. So muss etwa der deutsche Coach Joachim Löw auf Dortmund-Star Marco Reus, Spaniens Trainer Vicente del Bosque auf Verteidiger Dani Carvajal und Belgiens Marc Wilmots auf Goalgetter Nicolas Lombaerts verzichten. Dass Alaba oder Fuchs kurz vor der Europameisterschaft ausfielen, hätte Koller noch gefehlt.

Aber Sicherheit war nicht das einzige Motiv Kollers. Er wolle sehen, wie sich der eine oder andere Spieler auf dem Rasen präsentiere, erklärte er am Dienstag und meinte neben Schöpf, Suttner und Lindner vor allem einen Stürmer: Marc Janko. "Es ist ein Spiel, wo wir testen können, wie weit er ist. Er ist bereit und kann sicher einiges zeigen", sagte der Teamchef.

Eigentor von David Alaba

Und tatsächlich war das, was Janko und seine Kollegen in Klagenfurt an Leistung und Ideenreichtung zeigten, so übel nicht. Gewiss lässt sich Malta, das in der Fifa-Weltrangliste aktuell nur den 165. Platz belegt, nicht mit Österreichs EM-Gegnern Ungarn oder Portugal vergleichen. Aber darum ging es bei dem Test auch nicht, galt es doch das spielerische Element zu stärken und den Ideenreichtum angesichts einer defensiven Elf wie Malta zu fordern.

Einen kleinen Torreigen gab es für Österreich zunächst ja doch: Den Anfang machte Marko Arnautovic, der - einen Fehler von Malta-Verteidiger Andrei Agius annutzend - in der vierten Minute gleich einmal zum 1:0 einnetzte. Das war zwar nicht sehr einfallsreich, demonstrierte aber die Möglichkeiten, wie man auch zu einem Tor kommen kann. Die Überraschung der ersten 20 Minuten war aber Schöpf, der mit einem sehenswerten Solo durch den gegnerischen 16er zog und den Ball durch die Beine von Malta-Torhüter Henry Bonello ins leere Tor schob. Besser kann man einen Antrag auf endgültige Aufnahme in den EM-Kader nicht unterschreiben. Denn eines hatte ja Koller klargemacht: Die Entscheidung, wer am Ende ein EM-Ticket erhält, fällt an diesem Abend.

Dementsprechend versuchten daher auch alle Kicker, ob sie nun vorgemerkt waren oder nicht, sich mit guten Aktionen zu empfehlen. Mit prüfendem Blick an den Beinen der Österreicher hingen daher auch die 20.000 Fans im Stadion, unter die sich ein bekanntes Gesicht gemischt hatte: Ungarns Coach Bernd Storck. Von der Tribüne aus musste der Deutsche also auch das dritte Tor miterleben, das man aber nur mit einem Wort beschreiben kann: peinlich. Torschütze zum Eigentor war ausgerechnet der eingewechselte Alaba (87.), der den Ball blind zu Ramazan Özcan, der zur Pause Lindner ersetzt hat, zurückgespielt hatte. Blöd nur, dass der überraschte Keeper gerade bei der Stange und nicht im Tor stand.

Während Malta mit dem Ergebnis zufrieden sein kann, muss Österreich mit Blick auf die Partie gegen die Niederlande am Samstag noch einiges drauflegen. Alles in allem war es dennoch ein guter Test. Jetzt gilt es die Erkenntnisse für Frankreich zu nutzen.