Toulouse. Iker Casillas oder David de Gea? So lautete die Gretchenfrage, wer bei Titelverteidiger Spanien bei der Euro 2016 das Tor hüten solle - die Real-Legende, die nunmehr bei Porto unter Vertrag steht oder der Keeper von Manchester United? Am Freitag deutete vorerst alles darauf hin, dass sich dieses Duell zu Gunsten von Casillas entschieden haben könnte, wiewohl sportliche Leistungen dafür keinen Ausschlag gegeben hätten.

Denn kurz vor dem Auftaktmatch in Gruppe D am Montag (15 Uhr) gegen Tschechien erschütterte ein Sexskandal das spanische Team - und belastet wird dabei David de Gea. Laut spanischen Medienberichten soll sogar ein Rauswurf, eine Suspendierung aus dem Kader geplant gewesen sein. Dies wurde allerdings in einer eilig einberufenen Pressekonferenz dementiert - "alles eine Lüge", sagte de Gea dabei.

Fakt ist, dass schwere Anschuldigungen gegen den 25-Jährigen erhoben wurden: Laut einem Zeugen soll der Goalie bereits 2012 im Rahmen eines U21-Nationalspiels eine Frau zum Sex mit seinen damaligen Teamkollegen Iker Muniain (Bilbao) und Isco (Real Madrid) gezwungen haben. Der Torhüter soll die Frau zwar nicht direkt missbraucht, aber das Treffen arrangiert und sie bedroht haben. Diese Vorwürfe wurden nun im Zuge eines Prozesses gegen den spanischen Porno-Regisseur Torbe laut. Der Porno-Produzent soll Filme mit Minderjährigen gedreht haben. Bei den Vorwürfen rund um de Gea handle es sich laut den spanischen Medien jedoch um keine Minderjährige.

"Das liegt jetzt in den Händen meines Anwalts. Ich weiß, was ich getan habe und was nicht. Ich bleibe ruhig", betonte de Gea.

Dennoch kommen die Vorwürfe gegen den zuletzt als ersten Tormann eingesetzten Tormann zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: In der schwierigen Gruppe D mit Kroatien und der Türkei ist der Auftakt gegen Tschechien so etwas wie ein Schlüsselspiel auf dem Weg Richtung Achtelfinale. Denn gerade erst wurde die 0:1-Heimniederlage gegen Georgien im letzten Testspiel vor den Titelkämpfen halbwegs verdaut, wiewohl die Medien auf die Furia Roja einprügelten und sogar "höchste Alarmbereitschaft" ausriefen. Auch Trainer Vicente del Bosque musste eingestehen: "Uns haben Lösungen gefehlt, das ist das Beunruhigende. Sie haben uns keinen Platz gelassen", sagte er in Richtung der Nummer 137 der Weltrangliste.

Wenn de Gea tatsächlich nicht aufgeboten würde, müsste es also wieder "San Iker" richten, wie der Weltmeister, zweifache Europameister, Rekordnationalspieler und Kapitän Casillas, genannt wird. Obwohl dessen Patzer bei der WM in Brasilien, die für den Titelverteidiger sang- und klanglos in der Vorrunde beendet war, noch in bester Erinnerung sind.

Das Unternehmen Titel-Hattrick hat jedenfalls denkbar schlecht begonnen.