Hooligans sind auf die große EM-Bühne zurückgekehrt. So massive Ausschreitungen wie in Marseille hatte es bei einem großen Fußballturnier schon länger nicht mehr gegeben. Auch ein Österreicher wurde bei den Krawallen verhaftet.
Hooligans sind auf die große EM-Bühne zurückgekehrt. So massive Ausschreitungen wie in Marseille hatte es bei einem großen Fußballturnier schon länger nicht mehr gegeben. Auch ein Österreicher wurde bei den Krawallen verhaftet.

Wien. (sir) Am Sonntag war Daniel Nivel auf Einladung des deutschen Fußballbundes im Stadion von Lille. Es saß auf der Tribüne unmittelbar vor Oliver Bierhoff, dem Teammanager der Deutschen und einstigen Mittelstürmer. Bei der WM 1998 in Frankreich hatte Bierhoff im nahen Lens sein erstes WM-Tor erzielt. Es war der 21. Juni. Für Nivel, einen Polizisten, war nach diesem Tag nichts mehr wie davor. Er war von deutschen Hooligans so schwer misshandelt worden, dass er monatelang im Koma lag. Nach wie vor ist er schwer beeinträchtigt.

Die WM 98 in Frankreich erlebte schwere Ausschreitungen wie auch zwei Jahre später die EM in Holland und Belgien. Große Turniere waren immer auch ein Treffen von Hooligans verschiedener Nationalitäten, wobei sich das gewalttätige Geschehen außerhalb der Stadien abspielte. Bei der WM 1998 hatten englische Hooligans vor und während des Spiels gegen Tunesien in Marseille randaliert und sich mit tunesisch-stämmigen französischen Einheimischen Straßenschlachten geliefert.

Vor der EM in Portugal 2004 erließ dann Großbritannien ein Hooligan-Gesetz und verhängte über polizeibekannte Schläger während der Fußballturniere Ausreiseverbote. Das betraf damals und betrifft auch heute rund 3000 Personen. Wenn sie dennoch bei den Turnieren auftauchen, drohen ihnen unbedingte Haftstrafen.

Die Maßnahmen schienen insofern gewirkt zu haben, als gröbere Ausschreitungen englischer Fans sowohl in Portugal als auch bei nachfolgenden Turnieren ausblieben. Bei der Euro 2008 war kein britisches Team qualifiziert, vier Jahre später reisten vergleichsweise wenige in die Ukraine. Sie benahmen sich zwar ihrem Alkoholpegel angemessen daneben, Ausschreitungen gab es jedoch keine.

Aktive Szene in Osteuropa

Ihr schlechter Ruf klebt aber nach wie vor an den englischen Fans, und Hooliganismus ist auf der Insel auch nicht verschwunden. Als subkulturelle Erscheinung hat er jedoch Bedeutung verloren. Das Epizentrum der Hooligan-Szene im findet sich heute im Osten des Kontinents, in Russland, in Polen, aber auch in Deutschland, in kleinerem Maßstab auch in Österreich. Dass in Marseille mutmaßlich ein Österreicher an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein soll, ist Beleg dafür. Wie Innen- und Außenministerium bestätigten, wurde ein 37-Jähriger aus Niederösterreich festgenommen. Aus rechtlichen Gründen wollte man nicht bekannt geben, ob es sich um einen einschlägig amtsbekannten Hooligan handelt.