Paris. Das erste große Spitzenspiel dieser Europameisterschaft wurde den Erwartungen gerecht. Jene, die eine spielerische Glanzleistung der Spanier erwarteten, sollten aber bitter enttäuscht werden. Vor dem Spiel wurde ein verdächtiges Moped, das in direkt am Gelände des Stadion in Saint-Denis abgestellt wurde, von der Polizei gesprengt. Es dürfte aber kein Sprengstoff dabei gewesen sein.

Punktgenau mit dem Anpfiff des türkischen Schiedsrichters Cüneyt Çakir begann es heftig zu regnen. Der italienische Teamchef Antonio Conte, 46, ist bekannt dafür, 90 Minuten lang die gesamte Coaching-Zone auszureizen. Conte zog sich eine Regenjacke über seinen schwarzen Anzug an, setzte sich eine Kappe auf und folgte seinen Gelüsten am Spielfeldrand. Sein 65-jähriger spanischer Kollege Vicente Del Bosque ging es etwas gemütlicher an, trotzte dem Starkregen auf der überdachten Ersatzbank. Was er sah, konnte ihm nicht gefallen. Italien startete mutig und angriffslustig in die Partie, Stürmer Graziano Pellè fand in der achten Spielminute die erste gute Torchance der Partie vor. Seinen Kopfball konnte Spaniens Tormann David De Gea klären. "Wir müssen Spanien einen Schock versetzen", hatte Antonio Conte vor dem Spiel gesagt.

Tatsächlich wirkte Spanien überrascht über den offensiven Beginn der Italiener. Zwei Minuten später setzte der auffällige Giaccherini einen Fallrückzieher an die Stange, Çakir hatte aber bereits auf gefährliches Spiel entschieden. Als der heftige Regen nach etwa zehn Minuten aufhörte, fanden die Spanier besser ins Spiel. Gefährlicher blieben aber die Italiener. Im Umschaltspiel wurde das 5:3:2 von Antonio Conte zum 3:5:2, Italien beherrscht dieses System ausgezeichnet. Conte lässt es sein Team auch seit Amtsantritt vor zwei Jahren spielen. Wenn bei Spanien etwas ging, dann fast immer über Andrés Iniesta, dessen abgefälschter Schuss in der 28. Minute die gefährlichste Aktion der Roja in Halbzeit eins bleiben sollte.

Unglücklicher De Gea

Und doch blieben die Italiener zielstrebiger in ihren Aktionen. Als Beleg kann der Konter über Giaccherini herangezogen werden, der Marco Parolo eine präzise Flanke servierte. Parolo köpfelte neben das Tor. Wenig später brachte De Sciglio eine scharfe Hereingabe vors Tor, Spaniens Kapitän Sergio Ramos verunfallte das Leder mit seinem Schienbein nur knapp über das eigene Tor. Die italienische Führung resultierte dann aus einem Freistoß in der 32. Minute: Eder schoss scharf, aber zentral auf De Gea. Es war ein Schuss, den man als "undankbar" bezeichnet. De Gea konnte den Ball nur nach vorne abwehren. Abwehrchef Giorgio Chiellini staubte ab, Spaniens Überraschung wurde zum von Conte herbeigesehnten Schock. Álvaro Morata, bisher mit drei Toren bester Stürmer bei der EM, machte gegen die Defensivinstitution "BBC", bestehend aus seinen Ex-Juve-Kollegen Barzagli, Bonucci und Chiellini, keinen Stich. Man kennt sich eben.