"Das perfekte Finale"

Der portugiesische Linksverteidiger Raphael Guerreiro ist in der französischen Hauptstadt geboren und aufgewachsen. Auch am alten Hafen von Marseille mischten sich einige Bewohner mit portugiesischen Flaggen und Trikots unter die Feiernden, und es wurden die ersten Prognosen ausgetauscht. "Jetzt sind wir nicht mehr aufzuhalten, auch nicht von Portugal", sagte ein französischer Fan. Die nebenan stehenden Portugiesen entgegneten sofort, dass es Cristiano Ronaldo schon richten werde. Bei all den Berührungspunkten zwischen den beiden Fanlagern stand die gemeinsame Vorfreude über allem. "Es ist das perfekte Finale für eine EM in Frankreich", sagte Jérémy, der aber auch Mitgefühl für die vielen deutschen Fans übrig hatte. "Sie sind weit gereist und haben verloren. Sie verdienen Respekt." Das Duell ist auch aufgrund seiner Geschichte besonders. Bei der jüngsten Heim-EM, 1984, traf Frankreich im Halbfinale in Marseille auf Portugal. Damals erzielte Michel Platini in der 119. Minute den Siegtreffer zum 3:2-Endstand. Platini schoss im Turnier neun Treffer. 32 Jahre später heißt Frankreichs neuer Held Antoine Griezmann, der mit den beiden Toren gegen Deutschland sechs Treffer bejubeln durfte. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der kleine Stürmer von Atlético Madrid noch zumindest ein Tor hinzufügen kann, auch wenn der Respekt vor dem Finalgegner groß ist. "Sie haben eine erfahrene Mannschaft, die sich mit allen Mitteln zu helfen weiß", sagte Jérémy.

Frankreichs Sportzeitungen konzentrierten sich am Tag nach dem großen Erfolg weniger auf das Finale als vielmehr darauf, die Nationalteamspieler ausgiebig zu feiern. "Wie die Champions", schrieb "L’Équipe", die größte Sportzeitung Frankreichs. "La Provence" äußerte Dankbarkeit: "Merci. Ein großgeschriebenes MERCI, das größtmögliche für diese sportliche Heldentat und für diesen seltenen Moment, den ihr uns geschenkt habt." Vor dem Spiel gegen Deutschland rief die "L’Équipe" in Anlehnung an eine Textzeile der Nationalhymne den "Tag des Ruhms" aus. Die Spieler gehorchten. Wenn Frankreich am Sonntag das Finale gegen Portugal gewinnen sollte, wird es eine neuerliche Festnacht, diesmal in Paris, geben und der überbordende Nationalstolz en vogue bleiben.