Wien. (rel) Das neue Heimstadion des österreichischen Rekordmeisters Rapid hat seine erste Bewährungsprobe bestanden. Schon am Wochenende hatten sich auf Einladung des Klubs rund 6500 Vereinsmitglieder auf dem Weg zum Gerhard-Hanappi-Platz 1 in Wien- Hütteldorf gemacht, um sich ein Bild vom neu errichteten Allianz-Stadion zu machen. Im Zentrum des Interesses standen dabei freilich nicht nur die besondere Atmosphäre der bis zu 28.000 Menschen fassenden Arena, sondern auch die zahlreichen Neuheiten - wie die neu gestalteten, grün-weiß längsgestreiften Auswärtsdressen oder auch das bargeldlose Bezahlsystem. Einzig die massive Haupttribüne und das neu eingerichtete "Rapideum", das auf 165 Quadratmetern die vergangene und aktuelle Geschichte des 117 Jahre alten Klubs abbildet, waren für die Rapid-Fans noch nicht zugänglich gewesen.

Spätestens am Wochenende ist die Baustelle geräumt und damit auch die Zeit der Sperren und des langen Wartens vorbei. Dann wird das rund 53 Millionen Euro teure Oval mit einem prominent besetzten Eröffnungsfest eröffnet - und das nicht nur in gesellschaftlicher Hinsicht, sondern auch vor allem in sportlicher, bekommen es doch die Grün-Weißen im Eröffnungsspiel am Samstag (18 Uhr) mit einem hochkarätigen Gegner aus England zu tun: dem FC Chelsea.

Bewährung für Mike Büskens


Der Coup ist der Vereinsführung damit jedenfalls geglückt, gehört doch der Top-Klub aus London zu den besten Teams Europas. So ist Chelsea einer von nur vier Vereinen neben Ajax Amsterdam, Bayern München und Juventus Turin, der das Kunststück zusammengebracht hat, alle Europacup-Bewerbe für sich zu entscheiden. Im damaligen Europacup der Cupsieger triumphierten die Londoner 1971 und 1998, in der Champions Lea-gue 2012 und der Europa League 2013. In der aktuellen Uefa-Rangliste für Klubbewerbe ist der 1905 gegründete Klub, der seine Heimspiele an der legendären Stamford Bridge austrägt, Fünfter. Zum Vergleich: Rapid liegt auf dieser Liste abgeschlagen auf dem 88. Platz.

Was aber nicht bedeutet, dass der Test am Samstag in Wien, der für die Engländer den Auftakt für ihr Sommer-Trainingslager in Velden bildet, schon entschieden ist. Angesichts der schwachen Saison, welche der FC Chelsea hinlegte - ohne Titel und ohne internationale Qualifikation - mag der eine oder andere Rapid-Fan tatsächlich mit einem Einstandserfolg kokettieren. So weit wollen die Vereinsspitzen freilich nicht gehen. "Das ist ein Supergegner, der absolutes Topniveau hat. Es ist eine große Herausforderung, gegen so eine Mannschaft zu spielen, da freuen wir uns darauf", meinte Sport-Geschäftsführer Andreas Müller vor wenigen Wochen.

Dass Rapid mit einem neuen Trainer in die Partie gehen würde, war damals freilich noch nicht abzusehen. Sportlich scheint es zumindest kurz vor dem Bundesligastart wie gewohnt zu laufen, ist doch der Verein in der Vorwoche mit einem Sieg im ersten Pflichtspiel in die Ära von Mike Büskens gestartet. Die Hütteldorfer gewannen in der ersten Runde des ÖFB-Cups gegen den Stadtligisten FC Karabakh auf dem Sportclub-Platz mit 3:1. Die Treffer für Rapid erzielten Joelinton, Steffen Hofmann und Stefan Schwab. Um zeitlich nicht in die Bredouille und gegen Chelsea nicht unter Druck zu geraten, hatte man den Antrittstermin im Cup um einige Tage nach vorne verlegen müssen. Die übrigen Spiele der ersten Runde finden von 15. bis 17. Juli statt. Red Bull Salzburg trifft zum Auftakt auf Vorwärts Steyr, Austria Wien steht ein Auswärts-Gastspiel beim FC Dornbirn bevor.

Im Rahmen der nun beginnenden Bundesliga-Saison ins neue Allianz-Stadion einlaufen werden die Kicker von Salzburg und Austria erst Ende August beziehungsweise Ende Oktober. Und es wird auf jeden Fall eine andere Atmosphäre herrschen als bei den vergangenen Auswärtsspielen im alten Hanappi-Oval oder im Prater-stadion. "Ich erwarte eine Gänsehaut-Atmosphäre, eine echte Festung, wo die Gegner wissen: Hier wird es ganz, ganz schwer, gegen Rapid zu gewinnen", meinte Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek. Und sein Vorstandskollege Müller ergänzte: "Das ist unser neues Wohnzimmer, das muss ein Hexenkessel werden." Vorausgesetzt, das Stadion ist ausverkauft. Im Spiel gegen Chelsea am Samstag ist die Arena jedenfalls bis auf den letzten Platz besetzt.