London. Fast eine Milliarde Euro gaben die Klubs der Premier League in diesem Sommer am Transfermarkt aus, um sich für die am Samstag startende Saison zu verstärken. Keine andere Liga der Welt kann mit diesen Summen mithalten. Rein finanziell ist die Premier League der restlichen Fußballwelt überlegen.

Schon in den vergangenen Jahren war dies deutlich, nun wird der Unterschied aber noch größer. Grund dafür ist die hervorragende Vermarktung der Liga. Der ab dieser Saison gültige TV-Vertrag sorgte bei seinem Abschluss vor einem Jahr für großes Staunen. Im Zeitraum von 2016 bis 2019 erhalten die Klubs der Premier League rund 9,5 Milliarden Euro, also 3,16 Milliarden pro Jahr. Die Serie A erhält nur 840 Millionen Euro, in der Primera División sind es 760 Millionen, abgeschlagen dahinter folgt die deutsche Bundesliga mit derzeit noch 580 Millionen.

Deutlicher wird der finanzielle Unterschied, wenn man sich die einzelnen Vereine ansieht. Von den 20 umsatzstärksten Fußballklubs der Welt sind neun aus England, darunter sind auch Vereine wie Newcastle und Everton, die zwei Drittel ihrer Einnahmen aus den Fernsehgeldern lukrieren.

Spanische Dominanz

Diesen Summen nach müssten die europäischen Wettbewerbe eigentlich von englischen Klubs dominiert werden. Doch Newcastle musste in die zweite Liga absteigen, auch Everton ist international nicht relevant. Die Ergebnisse in der Champions League bescheinigen auch die schlechte Arbeit der anderen englischen Vereine. Der letzte Sieg in der Königsklasse liegt bereits vier Jahre zurück, damals gewann Chelsea das Finale in München, während es ansonsten nur Arsenal ins Achtelfinale schaffte. In den Saisonen 2012/2013 und 2014/2015 erreichte kein englischer Vertreter das Viertelfinale, vergangene Saison schaffte es Manchester City ins Halbfinale, Chelsea und Arsenal schieden im Achtelfinale aus, Manchester United gar in der Gruppenphase.

Die internationalen Bewerbe werden derzeit von den spanischen Klubs dominiert. In den vergangenen drei Jahren waren von zwölf Europacupfinalisten acht aus Spanien. In der Fünfjahreswertung ist Spanien die unumstrittene Nummer eins, England liegt abgeschlagen hinter Deutschland auf Rang drei und nähert sich dabei immer mehr dem viertplacierten Italien.

Geld alleine ist eben nicht alles, erst richtig investiert kann es zum Erfolg führen. Gerade wenn man so viel Geld zur Verfügung hat wie die englischen Vereine, neigt man wohl dazu, es leichtfertig, ohne viel nachzudenken, auszugeben. Wem es finanziell schlechter geht, der muss kreativer sein und besser mit seinen Mitteln arbeiten. Ständig wechseln neue Spieler für Millionensummen in die Premier League. Statt langfristig an Problemen zu arbeiten oder sich im taktischen Bereich zu verbessern, stellen teure Einkäufe einen vermeintlich einfach Weg zur Problemlösung dar. Doch so einfach ist es in dieser komplexen Sportart eben nicht. Wichtig ist es, die Qualitäten der Spieler richtig zu nutzen. Die taktische Einbindung ist wesentlich, um das Potenzial eines Spielers auch zum Vorschein zu bringen, dabei soll die Taktik einen Spieler eigentlich nicht einschränken, sondern seine Stärken besser zum Vorschein bringen.

Viel Geld, wenig Ideen

In England werden neue Spieler oft aus funktionierenden Teams geholt und dann schlecht genutzt. Der Spielstil des bisherigen Vereins und die genaue Rolle im System wird dabei oft ignoriert. So passiert es, dass bisher unbekannte Spieler wie N’golo Kanté und Riyad Mahrez bei Leicester City groß aufspielen, ein Ángel Di María bei Manchester United aber plötzlich enttäuscht. In Spanien, Deutschland oder Italien finden solche Spieler meist besser abgestimmte, organsiertere Mannschaften vor. In England dagegen gibt es weitreichende taktische Probleme. Neue Entwicklungen im Fußball kamen in den vergangenen Jahrzehnten nie von der Insel, dort ist man anscheinend weniger offen für neue Ideen und verschlief neue Trends. Eklatant ist dies etwa im Pressing, welches in den vergangenen Jahren immer wichtiger wurde. In verschiedenen Statistiken, welche die Qualität des Pressing messen wollen, spielen englische Klubs im Gegensatz zu deutschen und spanischen keine Rolle.

Der englische Fußball ist geprägt von mangelnder Kompaktheit im Spiel ohne Ball. Dies ist Segen und Fluch zugleich. Die Qualität leidet darunter, allerdings macht genau dies den spektakulären englischen Fußball aus, der die Fans weltweit begeistert und den Klubs schließlich einen Geldregen bringt. Das hohe Tempo in der Premier League ergibt sich aus den vielen offenen Räumen, es geht direkt hin und her, das Spiel wirkt schneller, als es eigentlich ist. Ein gut organisiertes Pressing mit sauberen Verschiebebewegungen bekommt der Zuseher in der Premier League nur in Ausnahmen geboten. Offensiv fehlt es oft an funktionierenden gruppentaktischen Abläufen. Der Flankenfokus vieler Vereine ist nicht gerade effektiv, zudem basiert vieles auf Zufällen und der Individualität der Spieler. Die Betrachtungsweise im englischen Fußball ist oft zu isoliert und konzentriert sich auf einzelne Fehler. Der mediale Diskurs im deutschsprachigen Raum, in Spanien oder Italien ist dagegen um einiges fortschrittlicher. Trainer, die mit neuen Ideen in die Premier League kommen, werden sehr kritisch beäugt und stehen schnell unter dem Druck der Medien.