Wien. (art) Martin Hinteregger ist nicht bekannt dafür, sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Nach Bestätigung seines Wechsels von Red Bull Salzburg zum deutschen Bundesligisten Augsburg nützte er auch den Medientermin im Vorfeld des WM-Qualifikationsspiels Österreichs gegen Georgien am kommenden Montag zu harter Kritik. Damit, dass er nicht zu RB Leipzig gegangen ist, wollte er bewusst sein Zeichen setzen, sagte der 23-jährige Verteidiger.

Denn die personelle Ausdünnung Salzburgs durch den ebenfalls von Red Bull unterstützten Partnerklub gehe ihm gehörig auf die Nerven. Mehr noch: "Die Art und Weise, wie Salzburg von Leipzig kaputtgemacht wird, finde ich schade. Im Endeffekt sind es zwei verschiedene Vereine, aber alles wird aus Salzburg wegdirigiert", sagte Hinteregger und ergänzte: "Man kann zwei Vereine auch so führen, dass beide top dastehen, und nicht nur einer." Auch Salzburg-Trainer Óscar García hatte seinen Unmut über den deutschen Bundesligisten und dessen Sportdirektor Ralf Rangnick vor wenigen Tagen nach dem Abgang von Bernardo und unmittelbar vor dem Spiel gegen Rapid öffentlich kundgetan, von einem "Liefering A und einem Liefering B" gesprochen. Beide sollten lediglich Spieler für Leipzig ausbilden.

Auch er "habe eine Wut auf Leipzig gehabt", erklärte Hinteregger. Deshalb habe er sich für Augsburg und gegen Leipzig entschieden. Zwar habe es Gespräche mit Rangnick und dem neuen Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl gegeben, ein ernsthaftes Thema sei für ihn ein Transfer zum deutschen Aufsteiger aber nicht gewesen. "Aus Respekt vor Salzburg und den Fans. Jetzt ist es ja öffentlich bekannt, dass Salzburg ein Ausbildungsverein für Leipzig ist, und da wäre ein Wechsel von mir nach Leipzig ein richtiger Wirbel gewesen", meinte der Kärntner. Ein Verbleib in Salzburg ist für Hinteregger allerdings auch nicht wirklich infrage gekommen - daran hätte selbst eine Champions-League-Teilnahme nichts geändert. "Das wären zwar sechs schöne Spiele geworden, aber für diese sechs Spiele hätte ich auch nicht 34 Spiele in der deutschen Bundesliga geopfert."

Der Abwehrspieler kehrt nun in jene Liga zurück, wo er bereits im vergangenen Frühjahr leihweise für Borussia Mönchengladbach engagiert war. "Für mich ist es eine große Erleichterung, dass ich fix bei Augsburg bin und nicht die Unsicherheit habe, nach drei oder vier Monaten wieder weg sein zu können", sagte Hinteregger, dessen Ablösesumme bei sieben Millionen Euro liegen soll. Teurer war bisher aus Österreich nur Aleksandar Dragovic.

Bescheidene Österreicher

Doch auch Salzburg wurde am letzten Tag der Transferzeit noch aktiv, verpflichtete den 23-jährigen Rechtsverteidiger André Wisdom, der vorerst bis Saisonende leihweise von Liverpool kommt - und den derzeit verletzten Christian Schwegler ersetzen soll - sowie den 22-jährigen Kroaten Josip Radošević. Der defensive Mittelfeldspieler war zuletzt von seinem Verein Napoli an Eibar nach Spanien verliehen. "Mit ihm haben wir einen aggressiven und zweikampfstarken defensiven Mittelfeldspieler verpflichtet, der unsere Qualität im defensiven Bereich künftig erhöhen wird", sagte Salzburgs sportlicher Leiter Christoph Freund.

Während international die Rekorde in dieser Transferzeit nur so purzelten, übten sich die österreichischen Bundesligisten weitgehend in Zurückhaltung - auch Ligakrösos Salzburg gab bei Transfereinnahmen von rund 25 Millionen Euro nur rund zehn Millionen aus. Insgesamt wurden bei der Bundesliga 75 Neuzugänge vermeldet - dies entspricht einem Minus von rund 20 Prozent im heimischen Fünfjahresschnitt.