Wien. (rel) Seit mehr als acht Jahren läuft Rekordmeister Rapid bereits einem Meistertitel hinterher. Dieses Kunststück zuletzt gelungen ist Peter Pacult 2008, seitdem sahen die Grün-Weißen drei Trainer kommen und gehen - am Montag hat nun auch der Nachfolger des erst im Juni demontierten Zoran Barisic den Laufpass erhalten: Mike Büskens. Mit ihm muss auch Sportdirektor Andreas Müller den Verein verlassen.

Was ist passiert? Nun, auf den ersten Blick lässt sich diese Frage mit einem Hinweis auf die aktuelle Tabelle relativ leicht beantworten. Immerhin ist Rang fünf nach 14 Spielen beileibe nicht das, was sich die Rapid-Führung unter Präsident Michael Krammer von dem Duo Büskens-Müller erwartet hatte. Hatte die Chefetage nach dem immerhin engagierten 2:2 im Europacup gegen Sassuolo offenbar noch zugewartet, so ist ihr bei der jüngsten Pleite gegen den WAC am Sonntag der Kragen geplatzt.

Weswegen nun der bisherige Co-Trainer Thomas Hickersberger ab sofort das Training leiten wird. Wer Büskens nachfolgen wird, ist noch nicht fixiert, allerdings soll der neue Coach noch in der Länderspielpause präsentiert werden. Namen wollte Präsident Krammer am Montag nicht nennen, auch für die Besetzung des Sportdirektor-Postens sieht er keinen Anlass zur Eile. Auf Müllers Rolle in der Causa angesprochen, erklärte er: "Büskens war seine Empfehlung, sein Vorschlag und wurde uns als alternativlos präsentiert. Aus unserer Sicht war die Verknüpfung Büskens-Müller so, dass es quasi eine Paketlösung war." Dass diese Lösung ihn den Job kosten könnte, hatte Müller wohl geahnt - zumindest hatte er sich noch vor einigen Wochen von Büskens, den er von seiner Zeit in Schalke gut kennt, zu distanzieren versucht.

Allein Krammer dürfte die Geste nicht mehr beeindruckt haben. "Auch wenn alle alles gegeben haben, zählen in letzter Konsequenz die Resultate", sagte er und betonte, dass trotz großer Leistungsbereitschaft nach bisherigen 25 Saisonpartien keine Weiterentwicklung erkennbar sei. Und: "Die Tabelle lügt nicht."

Auf den neuen Coach kommen jedenfalls gleich mehrere Herausforderungen zu. Nach der Länderspielpause geht es am 20. November auswärts gegen Red Bull Salzburg, am 24. November wartet im Europacup das Spiel in Genk, und am 27. November ist Tabellenführer Sturm Graz in Wien zu Gast.

Top-Klubs schreiben Geschichte


Während sich also Rapid auf Trainersuche begibt, sind die übrigen Top-Klubs bemüht, ihre verlorene Form wieder zurückzugewinnen. Sowohl Red Bull Salzburg, das am Sonntag Mattersburg in einer regelrechten Wasserschlacht 1:2 unterlag, wie auch der Tabellenführende Sturm (1:2 gegen St. Pölten) konnten nicht anschreiben - ebenso die Wiener Austria, die gegen starke Altacher mit 1:5 unterging. Tatsächlich hat das Faktum, dass die großen Vier der Liga allesamt verloren, schon fast eine historische Dimension. Zuletzt war das vor 16 Jahren der Fall, als am 21./22. Oktober Salzburg, Austria, Rapid und Sturm ebenfalls ohne Punkte geblieben waren.