Wien. (may) Der niederländische Referee Kevin Blom zeigte sich am Dienstagabend gnädig: Bei Nieselregen und Temperaturen am Gefrierpunkt pfiff er den Länderkampf Österreich gegen die Slowakei pünktlich nach 90Minuten ab - und verzichtete trotz zahlreicher Wechsel auf die obligatorische Nachspielzeit. Tor wäre bei der schwachen Partie wohl sowieso keines mehr gefallen. Und Blom erlöste mit seiner Pfeife damit auch die heuer leidgeprüften rot-weiß-roten Akteure auf dem Rasen sowie deren Fans, für die ein enttäuschendes Länderspieljahr endlich zu Ende sein durfte.

Denn nach dem Erfolgsjahr 2015 mit geschaffter EM-Qualifikation und Wunderteam-Vergleichen rasselte die Elf von Marcel Koller richtiggehend in den Keller: Wiewohl die Bilanz von drei Siegen, drei Remis und sechs Niederlagen in zwölf Partien noch gar nicht das ganze Elend auszudrücken vermag, denn die wirklich entscheidenden Spiele wurden fast ausnahmslos mit enttäuschenden Leistungen verloren: Bei der EM gegen Ungarn und Island, in der WM-Qualifikation gegen Serbien und Irland; in Letzterer steht die Nationalelf bereits nach vier Partien unerwartet vor dem Aus, so wie der als sicher angenommene Achtelfinal-Aufstieg in Frankreich überraschend klar vergeigt wurde.

Verschüttete Milch, könnte man sagen - nicht so für Koller, der am Mittwoch noch einmal die wichtigsten Passagen des Länderspieljahres kommentierte. "Man muss feststellen, dass es ergebnistechnisch kein erfolgreiches Jahr war", resümierte Koller, dem bereits Anfang des Jahres beim ersten Lehrgang leise Zweifel befielen. "Da haben wir gemerkt, dass es nach der grandiosen EM-Qualifikation schwierig war, das zu bestätigen. Da war die Leichtigkeit ein bisschen weg und eine gewisse Verunsicherung bemerkbar." Allerdings lässt der Schweizer Kritik betreffend mangelnder Einstellung seiner Spieler nicht gelten: "Wenn man sich die Partien anschaut, kann ich der Mannschaft nicht den Vorwurf machen, nicht alles versucht zu haben. Es waren immer sehr enge Spiele." Tatsächlich wurden in diesem Jahr nur zwei Matches mit mehr als einem Tor Unterschied verloren; allerdings gelang auch kein einziger Sieg mit mehr als einem Tor Differenz. Dennoch: "Es war nicht alles schlecht, was schlechtgeredet wurde. Wir vom Trainerteam müssen aufpassen, dass nicht alles kaputtgeredet wird. Die Mannschaft hat funktioniert, auch das Betreuerteam."

Somit geht der Blick des 56-Jährigen Richtung Zukunft, Richtung 2017: Im Kampf um ein Ticket für Russland 2018 sei "nach wie vor etwas möglich", wiewohl es dafür mehr Effizienz, mehr Spielglück und auch mehr Überraschungsmomente brauche. "Wir werden uns Gedanken darüber machen, wie wir uns weiter verbessern und auf die Siegerstraße zurückkehren können", so Koller, der aber grundsätzlich nicht von seiner offensiv ausgerichteten Spielphilosophie abweichen will. Jedoch: "Wir müssen nicht immer schön spielen." Man könne einen Gegner auch überraschen, indem man sich hinten reinstelle und auf Konter lauere.

Schöpf wegen U21 gesperrt


Eine Hiobbotschaft gab es für den ÖFB für das nächste Match gegen Moldawien im Rahmen der WM-Qualifikation: Außer dem gesperrten Kapitän Julian Baumgartlinger wird am 24. März in Wien auch Schalke-Legionär Alessandro Schöpf fehlen, weil er im U21-EM-Play-off am Dienstag in Spanien (zu Unrecht) mit Gelb-Rot vom Platz geschickt worden war. Auch hier misslang der ÖFB-Nachwuchsauswahl mit dem 0:0 (nach 1:1 im Hinspiel) ein erfolgreicher Jahresabschluss.

ÖFB-Länderspiele 2016:

Österreich - Albanien 2:1

Österreich - Türkei 1:2

Österreich - Malta 2:1

Österreich - Niederlande 0:2

Österreich - Ungarn (EM)0:2

Portugal - Österreich (EM)0:0

Island - Österreich (EM)2:1

Georgien - Österreich 1:2

Österreich - Wales 2:2

Serbien - Österreich 3:2

Österreich - Irland 0:1

Österreich - Slowakei 0:0