Wien. (art) Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Während die Sportwelt über Niveau-Verwässerung und Manipulationsmöglichkeiten durch das ab 2026 geltende neue WM-Format debattiert, drängt sich immer mehr auch die Frage nach möglichen Ausrichtern dieses zusätzlich aufgeblähten Spektakels auf. Schon die jüngste WM 2014 in Brasilien hat laut Schätzungen um die zehn Milliarden Euro gekostet, von nachhaltiger Nutzung kann - anders als zumindest bei einigen Infrastrukturprojekten, die für die Olympischen Spiele 2016 in Rio angeschoben wurden - keine Rede sein. Russland, der WM-Gastgeber 2018, wird diese Zahlen noch einmal übertreffen; aus Katar, dem Ausrichterland 2022, sind keine konkreten Angaben zu bekommen.

Für 2026 stehen nun die USA, die bereits 1994 eine Weltmeisterschaft - damals noch mit 24 Teilnehmern - bereit, mit der darauffolgenden WM spekulieren schon die Chinesen. Dass für sie Geld kaum eine Rolle spielt, haben sie nicht nur mit den Olympischen Spielen 2008 bewiesen, sie zeigen es seit rund einem Jahr auch im Fußball, wenngleich sie dort sportlich bisher keine allzu rühmliche Rolle gespielt haben. Ein einziges Mal hat es die Nationalmannschaft zu einer WM geschafft, in der Gruppe mit dem späteren Weltmeister Brasilien, der Türkei und Costa Rica verabschiedete man sich vorzeitig mit einer Tordifferenz von 0:9. Dennoch ist die Begeisterung für den Sport im Reich der Mitte enorm: Selbst zu nachtschlafender Zeit schaltet eine rekordverdächtige Anzahl an Chinesen die TV-Geräte und Livestreams ein, um die Spiele in europäischen Topligen sowie bei Weltmeisterschaften zu verfolgen, befeuert wird das Interesse durch Gastspiel-Tourneen internationaler Spitzenklubs, Trikots von Lionel Messi und Co. finden reißenden Absatz. Nur die eigene Liga litt lange an Korruption, anderen Skandalen und sportlicher Bedeutungslosigkeit. Mit dem Engagement zahlreicher europäischer und südamerikanischer Spitzenfußballer sowie renommierter Trainer will man dies nun ändern - zu astronomischen Summen. Schon vor einem Jahr haben die Vereine der chinesischen Super League mehr ausgegeben als die traditionell spendierfreudigen Klubs der englischen Premier League, auch in diesem Transferfenster haben sie schon kräftig zugeschlagen.

Angst vor Ausverkauf


Zuletzt soll ein nicht näher genannter Verein 300 Millionen Ablöse und ein Sensationsgehalt für Real-Star Cristiano Ronaldo geboten haben - was dieser allerdings abgelehnt haben soll. Geld ist schließlich nicht alles, meinte Ronaldo - jemand, der sich diesen Verzicht durchaus leisten kann. Dennoch geistert in vielen europäischen Ligen sowie auch der US-amerikanischen, die gerade erst gegenüber den Traditionssportarten aufgeholt hat, die Angst vor einem Ausverkauf an China wie ein Schreckgespenst herum. Schließlich werden die finanziellen Engagements dort nicht hinterfragt, sondern von der hohen Politik gefordert und mit steuerlichen Vergünstigungen auch entsprechend gefördert. Dabei profitieren zum Teil auch Europas Klubs von der Investitionsfreude der Chinesen: Der AC Milan und Inter etwa können ihre Schulden durch den im Vorjahr beschlossenen Verkauf tilgen, auch andere, kleinere Vereine sind zumindest teilweise in chinesischer Hand.